Volkswirte: Arbeitslosigkeit steigt auf rund drei Millionen

Das Winterwetter hat die Zahl der Arbeitslosen im Januar nach Einschätzung von Experten auf rund drei Millionen steigen lassen. Laut Berechnungen von Ökonomen waren zum Jahresbeginn rund 3,035 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit.

Volkswirte: Arbeitslosigkeit steigt auf rund drei Millionen
Patrick Seeger Volkswirte: Arbeitslosigkeit steigt auf rund drei Millionen

Das wären rund 270 000 mehr als im Dezember, aber etwa 100 000 weniger als vor einem Jahr. Damit sei die saisonübliche Arbeitslosigkeit in Deutschland im Januar deutlich geringer angestiegen als sonst zu dieser Jahreszeit, berichteten Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg veröffentlichen.

Ohne die zum Jahreswechsel in Kraft getretene Mindestlohn-Regelung wäre die Winter-Arbeitslosigkeit aber wahrscheinlich noch geringer ausgefallen, betonten die meisten Beobachter. «Der Mindestlohn hat die Entwicklung im Januar sicher etwas gedämpft», ist etwa der Arbeitsmarkt-Experte des Münchner Ifo-Instituts, Steffen Henzel, überzeugt. Bisher dürften allerdings hauptsächlich niedrig vergütete Mini-Jobs davon betroffen sein, glaubt er.

Auch Commerzbank-Volkswirt Achim Tuchtfeld geht davon aus, dass «der Mindestlohn Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen wird. Es scheint in manchen Betrieben schon scharf gerechnet zu werden.» Das habe er bei Gesprächen mit Unternehmern festgestellt.

Wegen des niedrigen Ölpreises und des schwachen Euro, von dem vor allem exportorientierte Firmen profitieren, erwarten die meisten Volkswirte für das Jahr 2015 einen etwas stärkeren konjunkturellen Schub. «Das wirkt ja alles wie ein kleines Konjunkturprogramm», sagt Tuchtfeld. Davon dürfte auch der Arbeitsmarkt profitieren.

Unterdessen hat der wachsende Konjunkturoptimismus in vielen Unternehmen zum Jahresbeginn die Nachfrage nach Arbeitskräften auf ein Rekordhoch klettern lassen. Noch nie seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen habe es mehr freie Stellen in deutschen Betrieben gegeben, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit.

Der von der Bundesagentur seit 2004 ermittelte monatliche Stellenindex BA-X ist im Januar auf 183 Punkte gestiegen - das sind 2 Punkte mehr als im Dezember und 18 mehr als vor einem Jahr. Inzwischen ist die Nachfrage nach Beschäftigten sogar größer als im Boom-Jahr 2011, wie aus der BA-Statistik hervorgeht. Als Grund für die anhaltende Aufwärtsentwicklung sieht die Bundesagentur unter anderem «die positive wirtschaftliche Grundstimmung und die optimistischen Ausblicke der Unternehmen».