Volkswirte: Zahl der Arbeitslosen im September um 125 000 gesunken

Die ersten Vorboten des Herbstaufschwungs haben nach Experteneinschätzung die Zahl der Arbeitslosen im September kräftig sinken lassen.

Volkswirte: Zahl der Arbeitslosen im September um 125 000 gesunken
Sebastian Kahnert Volkswirte: Zahl der Arbeitslosen im September um 125 000 gesunken

Mit 2,775 Millionen sei ihre Zahl im Vergleich zum August um 125 000 zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr wären das rund 75 000 weniger, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Montag unter Berufung auf eigene Berechnungen. Die neusten Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag (30.9.) veröffentlichen.

Der starke Rückgang sei allerdings zum überwiegenden Teil Saisoneffekten geschuldet: Nach dem Ende von Sommer- und Werksferien stellten viele Unternehmen wieder verstärkt Mitarbeiter ein, betonen die Fachleute. Auch hätten viele junge Leute im September einen Job gefunden, die nach dem Ende ihrer Lehre im Frühsommer vorübergehend arbeitslos geworden waren. Aber auch ohne diese Saisoneffekte wäre die Zahl der Arbeitslosen im zu Ende gehenden Monat um 5000 bis
10 000 zurückgegangen.

Vorerst gehen die Volkswirte von einer weiterhin stabilen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt aus - der eingetrübten Konjunktur zum Trotz. «Bis zum Jahresende rechnen wir noch mit einem leichten Plus beim Beschäftigungsaufbau. Dann dürfte sich die Dynamik aber abschwächen», kommentierte der Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner. «Wir sind relativ optimistisch und rechnen damit, dass der Arbeitsmarkt vorerst weiter gut laufen wird», ist DZ-Bank-Volkswirt Richard Holstein überzeugt.

Ähnlich sieht das auch HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees: «Wir erwarten, dass die Entwicklung weiter freundlich sein wird». Von einem «intakten Trend» spricht auch der Bayern-LB-Volkswirt Stefan Kipar. Allerdings schränkt er ein: «Es hat in den letzten Monaten einen leichten Bremseffekt gegeben - unter anderem wegen des Ukraine-Konflikts und des schwachen zweiten Quartals». Für das Jahresende rechnet er daher mit «Schwächetendenzen».

Die Experten können sich bei ihrem moderaten Optimismus auch auf die Bundesagentur für Arbeit stützen. Deren Stellenindex BA-X signalisierte am Montag eine weiterhin große Zahl offener Stellen. Derzeit sei die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen. Ähnlich hoch habe die Zahl der offenen Stellen zuletzt im Mai des Boomjahres 2012 gelegen, berichtete die Nürnberger Bundesbehörde.