Vom Kanzleramt in den Bahntower: Ronald Pofalla

Für Ronald Pofalla geht es bei der Bahn schnell aufwärts. Erst seit Jahresbeginn ist der frühere Leiter des Kanzleramts Cheflobbyist des Staatskonzerns, nun rückt er aller Voraussicht nach bereits zum August in den Bahn-Vorstand auf - viel früher als geplant.

Vom Kanzleramt in den Bahntower: Ronald Pofalla
Hendrik Schmidt Vom Kanzleramt in den Bahntower: Ronald Pofalla

Auch im Bahntower, der Unternehmenszentrale am Potsdamer Platz in Berlin, geht es für Pofalla laut Medienberichten nach oben: vom 15. Stockwerk in ein Vorstandsbüro in der 22. Etage.

Bislang ist der 56-Jährige Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen. In der Öffentlichkeit hat er sich auf dem Posten bisher rargemacht. Seine Hauptaufgaben spielen auch im Hintergrund: Er soll die Kontakte zu den Bahnexperten im Bundesverkehrsministerium und im Bundestag pflegen und in Brüssel Einfluss auf die Entscheidungsträger der Europäischen Union nehmen, wenn es etwa um Wettbewerbsfragen geht. Zuletzt wehrten sich Bund und Bahn erfolgreich gegen das Bestreben der EU-Kommission, den Zugbetrieb organisatorisch vom Gleisnetz der Bahn zu trennen.

Diese Aufgaben behält Pofalla als Vorstand, soll aber dem Anschein nach außerdem für Recht, Datenschutz, Regeltreue und Konzernsicherheit zuständig sein. Längst wird er in Medienberichten als einer der möglichen «Kronprinzen» von Bahnchef Rüdiger Grube gehandelt.

Sein Abschied aus der ersten Reihe der Politik Ende 2013 kam überraschend. Der Wechsel Pofallas zur Bahn, der schnell bekanntwurde, war umstritten und eine pikante Personalie, sofort gab es breite Kritik. «Er stand bereits früher als Regierungsmitglied im Dienst der Bahn AG», schimpfte etwa Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. «Dafür erhält er jetzt einen sehr, sehr guten Posten als Prämie.» Grube aber setzte Pofalla gegen den Widerstand durch.

In der Politik war der Rheinländer, der Sozialpädagogik und anschließend Rechtswissenschaft studierte, schon vor seiner Zeit als Kanzleramtschef ein wichtiger Vertrauter von CDU-Chefin Angela Merkel. Von 2005 bis 2009 arbeitete er als CDU-Generalsekretär. Immer wieder war er auch Merkels Mann fürs Grobe. «Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen», schleuderte er dem CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach entgegen, der sich von seinem Nein zu einem neuerlichen Griechenland-Hilfspaket nicht abbringen ließ.

Zuletzt erregte Pofalla Anfang Juli Aufsehen mit einem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags für die Geheimdienste- Spionageaffäre. Immer wieder gerieten die Abgeordneten und Pofalla während der stundenlangen Befragung aneinander. Die Opposition warf ihm hinterher Arroganz vor.