Vom Youtube-Erfolg zur Weltkarriere? Deutsches Duo Milky Chance

Aus Kassel in die Welt: Nachdem das deutsche Folkpop-Duo Milky Chance in vielen europäischen Ländern die Charts gestürmt hat, steht jetzt die große weite Welt auf dem Programm.

Vom Youtube-Erfolg zur Weltkarriere? Deutsches Duo Milky Chance
Henning Kaiser Vom Youtube-Erfolg zur Weltkarriere? Deutsches Duo Milky Chance

Im Herbst tourten Clemens Rehbein und Philipp Dausch durch Amerika und Kanada. Im Januar 2015 soll es sogar nach Australien und Neuseeland gehen.

Der Sprung über den großen Teich hat sich gelohnt: Der Auftritt in New York war innerhalb von zehn Minuten ausverkauft, das Album «Sadnecessary» erreichte Platz 17 der US-Charts. Mit einer einzigartigen Mischung aus Abgeklärtheit und Naivität haben es die 22-Jährigen innerhalb von zwei Jahren vom Kasseler Gymnasium in amerikanische Clubs geschafft.

«Alles ist sehr groß in Amerika», sagt Sänger Rehbein. Nur die Konzerthallen waren mit 500 bis 600 Besuchern kleiner als die beiden sie inzwischen in Deutschland gewohnt sind. Wie ein alter Rockstar erklärt Rehbein zu den USA-Auftritten: «Da weiß man wieder, wo man herkommt.»

Während sie 2012 ihr Abitur schrieben, luden Rehbein und Dausch, der als DJ für den Milky-Chance-Sound sorgt, ihren ersten Song auf die Videoplattform Youtube hoch. Einige Hunderttausend Klicks und ein Jahr später veröffentlichten sie 2013 das Album «Sadnecessary».

In diesem Jahr waren sie für den Echo, für die 1-Live-Krone und sogar für die MTV European Music Awards nominiert - ein Meilenstein für die zwei jungen Künstler, auch wenn sie nicht gewonnen haben. Ihre Single «Stolen Dance» hat in den Niederlanden, in Australien, Deutschland und Italien Platinstatus, in den USA Goldstatus erreicht - auf Youtube wurde der Song bislang mehr als 93 Millionen Mal geklickt.

Diesen Erfolg wollen die Kasseler nun ausbauen. Sechs Konzerte spielten Milky Chance im Oktober in Kanada und den USA. «Das Publikum war geil», stellt Rehbein fest, «in Deutschland ist es ein bisschen verhaltener, was ich auch überhaupt nicht schlimm finde, aber man merkt, dass die Amis da anders drauf sind.»

Neben den Konzerten erwartete die beiden ein Alltag voller Radioauftritte, Interviews und oder ein Besuch der Show des US-Late-Night-Stars Jimmy Kimmel. «Man könnte sein ganzes Leben lang auf Tour gehen, aber dann wird man irgendwann richtig kirre», glaubt Clemens Rehbein.

Bisher war der Erfolg von Milky Chance zu hundert Prozent handgemacht, Werbeplattform ist das Internet, das Album im eigenen Label erschienen, alte Schulfreunde managen das Duo. Dahinter stecke aber keine prinzipielle Abneigung gegenüber großen Plattenfirmen, sondern der Anspruch, «dass wir das machen, worauf wir Bock haben», sagt Rehbein. «Natürlich muss man da hinterherwachsen», meint er zum Erfolg.

Bei allem Ehrgeiz ist er aber noch immer der 22-Jährige, der mit seinem Kumpel Philipp die Welt sehen möchte. Zur ersten Amerikaerfahrung meint der Sänger: «Es hat sich musikkarrieremäßig gelohnt, aber auch persönlich. Ich war davor noch nie in Amerika.» Was er jetzt machen würde, wenn nicht die Musik zum Beruf geworden wäre, weiß er nicht. «Ich glaube nicht, dass ich studieren würde. Ich würde wahrscheinlich rumreisen, auf der Suche nach irgendwas.»

Die Chance zu Reisen wird er auch 2015 wieder haben, Gegenstand der Suche ist wohl der anhaltende Erfolg: Nach den Auftritten in Australien und Neuseeland werden Milky Chance noch einmal zwei Monate lang durch Nordamerika touren.