Von «Aktion Arschloch» bis «Refugees Welcome»

Ingo Knollmann platzte vor rund eineinhalb Millionen Menschen live im Fernsehen der Kragen.

Von «Aktion Arschloch» bis «Refugees Welcome»
Bernd Von Jutrczenka Von «Aktion Arschloch» bis «Refugees Welcome»

«Während wir hier diese Sendung haben, laufen da draußen «besorgte Bürger» und rechte Wichser rum, die Flüchtlingsheime anzünden und hetzen gegen Leute, die ganz dringend unsere Hilfe brauchen. Seid laut gegen diese Leute!», sagte der Sänger der Donots beim Bundesvision Songcontest am vergangenen Samstag.

Mit diesem Statement war die Band innerhalb kürzester Zeit das Thema des Wettbewerbs, obwohl sie nur Zweite wurde. Ein Clip von Knollmann wurde Hunderttausende Male online geteilt.

Doch die Donots reißen nicht nur den Mund auf. Am Samstag spielen die fünf Jungs aus dem westfälischen Ibbenbüren beim Open Air «Kein Bock auf Nazis» in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Für die Kampagne engagieren sich unter anderem auch Bands wie Die Ärzte, Deichkind oder Fettes Brot.

«Damit setzen wir ein ganz aktives musikalisches Zeichen», sagt Kollmann im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Auch auf diversen Compilations dieser und anderer Kampagnen habe die Band schon mitgewirkt. «Ich finde, dass es die Verantwortung von jeder größeren Band ist, das Maul aufzumachen und zu sagen: «Das geht so nicht.»» Er selbst gehe auch zu allen Demos in der Nähe.

Gemeinsam mit 19 anderen deutschen Bands unterzeichneten die Donots deshalb auch einen Aufruf gegen rechtsextreme Angriffe. Die Menschenrechtsorganisation «Pro Asyl» und «Kein Bock auf Nazis» stellten den Appell zusammen mit Breiti von den Toten Hosen vor.

Ob, und wenn ja, wie viele dieser 20 Bands auch auf dem großen Solidaritätskonzert am 4. Oktober in Berlin auftreten, ist noch nicht bekannt. Unter dem Motto «Refugees Welcome» sollen vor dem Reichstag große deutsche Künstler spielen - im Gespräch sind unter anderem Herbert Grönemeyer, die Fantastischen Vier, Campino von den Toten Hosen und Udo Lindenberg. Konkrete Zusagen gibt es aber noch nicht.

«Das wird immer mehr eine echte bunte Republik Deutschland», sagte Lindenberg am Donnerstag bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises. «Es gibt noch ein paar dunkle Flecken, aber die kriegen wir auch noch weg.» Er kündigte eine «große machtvolle Demonstration» an, die er gemeinsam mit anderen Musikerkollegen auf die Bühne bringen will.

Das Motto «Refugees Welcome» hatten sich schon andere Künstler buchstäblich auf die Brust geschrieben: Die Hamburger Band Deichkind präsentierte sich Ende März beim Musikpreis Echo in weißer Kleidung, die in schwarzen Blockbuchstaben mit den beiden Worten bedruckt war. Mittlerweile vertreiben sie die Pullis und T-Shirts selbst in ihrem Merchandising-Shop - der Gewinn geht zu 100 Prozent an «Pro Asyl».

Auch andere Musiker engagieren sich Abseits von wohltätigen Konzerten. Der Rocksänger und Liedermacher Heinz Rudolf Kunze sammelt Instrumente für Flüchtlinge. «Wenn man versucht, ein bisschen Freude zu bereiten in dieser verzweifelten Situation, dann kann das ja nicht ganz verkehrt sein», sagte Kunze zu der Aktion.

Der Wiener Künstler Raoul Haspel sammelt mit einer «Schweigeminute» Geld. Eine Minute Stille verkauft er über Amazon und iTunes, der Erlös soll den Menschen im überfüllten Flüchtlingslager in Traiskirchen (Österreich) zugutekommen. Zeitweise lag der «Song» auf Platz 1 der iTunes-Download-Charts in Österreich. Die Gebühren für die Plattformen will der Künstler aus eigener Tasche zahlen. «Das kann für mich teuer werden, aber das hoffe ich», sagte er.

Eine Initiative der Ärzte wurde von deren Fans gestartet. Die «Aktion Arschloch» wollte das Lied «Schrei nach Liebe» der Berliner Band wieder in die Charts bringen - bei iTunes, Google und Amazon gelang das innerhalb kurzer Zeit. Der Song war erstmals 1993 veröffentlicht worden und richtet sich gegen Neonazis. Die Ärzte reagierten in einem Statement: «Die Aktion wäre auch mit jedem anderen Anti-Nazi-Song cool. Wenn es unser Lied sein soll, unterstützen wir das aber natürlich gern.» Die Einnahmen sollen an «Pro Asyl» gehen.