Von der Leyen gegen abruptes Ende des Afghanistan-Einsatzes

i-Scharif (dpa) - Zum Auftakt ihrer Afghanistan-Reise hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor einem zu schnellen Abzug der internationalen Truppen aus dem Krisenland gewarnt.

Von der Leyen gegen abruptes Ende des Afghanistan-Einsatzes
John Macdougall Von der Leyen gegen abruptes Ende des Afghanistan-Einsatzes

Sie sei für ein «langsames Ausgleiten und nicht ein abruptes Ende» des seit 13 Jahren andauernden Engagements der Nato am Hindukusch, sagte sie in der Nacht zu Samstag auf ihrem Flug nach Masar-i-Scharif.

Das Bündnis beendet am 31. Dezember seinen Kampfeinsatz am Hindukusch, bleibt aber zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte mit 12 000 Soldaten aus 40 Ländern im Land. Wie lange die neue Mission «Resolute Support» (Entschlossene Unterstützung) dauern soll, ist noch unklar. Die Bundeswehr beteiligt sich mit bis zu 850 Soldaten.

Über den neuen Einsatz stimmt am kommenden Donnerstag der Bundestag ab. Eine Mehrheit gilt als sicher. Gefährlich wird es für die Bundeswehr in Afghanistan bleiben. Sie kann auch weiterhin in Gefechte verwickelt und zum Ziel von Anschlägen werden.

Die Ministerin lobte die Fortschritte, die Afghanistan in den vergangenen Jahren gemacht habe. «Es ist zutiefst beeindruckend, wie wacker sich dieses Land schlägt.» Allerdings zeigte sie sich auch besorgt über die Sicherheitslage.

Erst am Donnerstag war bei einem Selbstmordanschlag in einer Schule in Kabul ein deutscher Mitarbeiter einer Hilfsorganisation getötet worden. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Am Samstag streckten die Extremisten einen hochrangigen Mitarbeiter des Obersten Gerichtshofes in der Hauptstadt Kabul nieder. In Südafghanistan wurden mindestens zwölf Minenräumer aus dem Hinterhalt erschossen. Bei einer Bombenexplosion im Westen Kabuls wurden mindestens 14 Menschen verletzt. Taliban-Anschläge auf Regierungsbeamte, Sicherheitskräfte und auch Nato-Soldaten haben in den vergangenen Monaten zugenommen.

Insgesamt sind in diesem Jahr wieder tausende Menschen bei Anschlägen und Gefechten am Hindukusch ums Leben gekommen. Allein im ersten Halbjahr zählten die Vereinten Nationen fast 1600 getötete Zivilisten. Die Zahl der Gefallenen der internationalen Schutztruppe Isaf ging in den ersten acht Monaten dieses Jahres allerdings deutlich auf 33 zurück - im Vorjahreszeitraum waren es noch 105.

Von der Leyen traf am Morgen zum Besuch der deutschen Soldaten im Feldlager bei Masar-i-Scharif ein, dem letzten Stützpunkt der Bundeswehr in Nordafghanistan. Von den einst mehr als 5000 deutschen Soldaten sind nur noch 1200 übrig.

Für von der Leyen ist es die dritte Reise nach Afghanistan. Im vergangenen Dezember hatte sie nur fünf Tage nach ihrem Amtsantritt und zwei Tage vor Heiligabend die Soldaten dort besucht. Im Juli kehrte sie nach Masar-i-Scharif zurück.