Von der Leyen räumt Fehler in der Afghanistan-Strategie ein

i-Scharif (dpa) - Die bisherige Abzugsstrategie der Nato aus Afghanistan hat nach Einschätzung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Taliban in die Hände gespielt.

«Wir haben einen relativ zügigen Rückzug der internationalen Gemeinschaft angekündigt. Diese Botschaft ist auch von den Taliban verstanden worden», sagte von der Leyen am Montag bei einem Besuch im Camp Schahin der afghanischen Armee in Masar-i-Scharif. «Und die Taliban haben im Jahr 2015 alles versucht, um die afghanische Regierung und die afghanische Armee in die Knie zu zwingen.»

Das sei den Taliban zwar nicht gelungen, sagte von der Leyen. Es sei aber wichtig und gut, «dass die internationale Gemeinschaft deutlich gesagt hat: Wir bleiben länger.» Die Nato hatte erst am vergangenen Dienstag nach langem Hin und Her abschließend entschieden, den Truppenabzug aus Afghanistan wegen der angespannten Sicherheitslage zu stoppen. Ursprünglich war für 2016 eine deutliche Truppenreduzierung und der Rückzug in die Hauptstadt Kabul geplant.

Von der Leyen knüpfte den längeren Einsatz ausländischer Truppen in Afghanistan aber an Bedingungen. «Wir haben auch Erwartungen an unsere afghanischen Partner insbesondere im politischen Bereich», sagte sie. «Man kann sich auf uns verlassen, aber das ist kein Blankoscheck. Wie erwarten auch, dass die Vereinbarungen, die mit der afghanischen Regierung getroffen werden, tatsächlich auch umgesetzt und erfüllt werden.» Dabei geht es unter anderem um Reformen und eine Wiederbelebung des Versöhnungsprozesses mit den Taliban.