Von Klopps kaputter Brille bis zum Wembley-Helden

Jürgen Klopp hat als Trainer die Duelle zwischen Bayern München und Borussia Dortmund geprägt. Er hat den BVB zeitweise so groß gemacht, dass er zu einem Rivalen auf Augenhöhe für den deutschen Fußball-Rekordchampion wurde.

Von Klopps kaputter Brille bis zum Wembley-Helden
Marc Müller Von Klopps kaputter Brille bis zum Wembley-Helden

Am Abend kommt es zwischen den Rivalen in der ausverkauften Münchner Allianz Arena zum Kampf um den Einzug ins DFB-Pokal-Finale 2015.

«Sicherlich gehört das Duell zu den schwersten im Fußball, aber das ist ja nicht schlimm», sagte Klopp zu seiner letzten Kraftprobe als Dortmunder Coach beim gerade wieder frischgekürten deutschen Meister FC Bayern. «In allen Spielen, in denen wir unseren Plan mutig durchgezogen haben, waren wir ein unangenehmer Gegner.» Das bestätigt ein Rückblick auf die Duelle der vergangenen vier Jahre.

Mit dem Sieg in München liefert Dortmund sein Meisterstück ab. In 200 Ländern schaut man zu, als Lucas Barrios, Nuri Sahin und Mats Hummels für den BVB und Luiz Gustavo für Bayern treffen. Auf Borussen-Seite leidet nur Klopps Brille: Beim Jubeln geht sie zu Bruch.

Als «Hort der Glückseligkeit» preist Präsident Hoeneß seinen FCB auf der Jahreshauptversammlung. Am Tag darauf schlägt Dortmund zu. In einem Duell auf Augenhöhe ist Jungstar Mario Götze der Matchwinner gegen den FCB, der zuvor in fünf Heimspielen 23 Tore erzielt hatte.

Elfmeter verschossen, Großchance vergeben, Abseits aufgehoben - an dem schwarzen Abend verspielt Pechvogel Arjen Robben mit dem FC Bayern endgültig die Meisterschaft. Wie im November wäre auch diesmal mehr drin gewesen, aber wieder hat Dortmund die Nase vorn.

Meister Dortmund krönt im DFB-Pokalfinale eine traumhafte Saison und feiert das erste Double der Vereinsgeschichte. Der FC Bayern liefert vor allem in der Abwehr eine desaströse Leistung, Trainer Jupp Heynckes bezeichnet den Auftritt anschließend als «katastrophal».

Die Bayern gewinnen nach zuvor fünf Niederlagen gegen den BVB in Serie erstmals wieder - wenn auch nur im nationalen Supercup. «Psychologisch gut», urteilt Heynckes. Nach drei zweiten Plätzen in der Vorsaison darf der FCB mal wieder eine Trophäe in Empfang nehmen.

Das Giganten-Treffen bleibt diesmal ohne Sieger, mit dem 1:1 im Bundesligaduell können sich beide Vereine anfreunden. Getrübt wird die Partie von der schweren Verletzung Holger Badstubers, der mit einem Kreuzbandriss auf Krücken aus der Arena humpelt.

Die bayerische Revanche glückt: Im Pokal-Viertelfinale bezwingt Heynckes' erstarktes Team durch ein Tor ausgerechnet von Robben den Titelverteidiger. Im vorgezogenen Endspiel gewinnen die Bayern - und dürfen endlich auch wieder in einem bedeutenden Wettbewerb jubeln.

Die Generalprobe für das Champions-League-Finale wenige Wochen später endet mit einem leistungsgerechten Remis. Damit bleiben die Bayern auch im sechsten Bundesliga-Duell ohne Dreier gegen die Schwarz-Gelben - und holen erstmals 2013 in der Liga nur einen Punkt.

In Wembley muss Mario Götze kurz vor seinem Wechsel zum Kontrahenten verletzt mitanschauen, wie Robben die Bayern in der 89. Minute auf den Thron ballert. Nach zwei Finalniederlagen erobern die Bayern bei Heynckes' internationalem Abschied den Henkel-Pott.

Dämpfer fürs Selbstbewusstsein vor Beginn der neuen Ligasaison: Mit viel Offensivdrang bezwingt der BVB im nationalen Supercup den Erzrivalen. Ohne die verletzten Manuel Neuer, Franck Ribéry und Neueinkauf Götze verpasst Starcoach Pep Guardiola den ersten Titel.

Bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte schockt Mario Götze mit dem 1:0 für Bayern die BVB-Fans, die ihn nach seiner Einwechselung bei jeder Ballberührung mit einem gellenden Pfeifkonzert bedenken. Arjen Robben und Thomas Müller machen dann alles klar.

Der BVB fertigt leidenschaftslose Bayern ab. Nur drei ihrer bis dato 833 Liga-Heimspiele verloren die Münchner höher. Nach dem Gewinn der Turbo-Meisterschaft kommt Bayern nicht auf Touren. «Und ihr wollt deutscher Meister sein», skandierten die BVB-Fans hämisch.

Arjen Robben schlüpft wie ein Jahr zuvor im Champions-League-Endspiel in die Rolle des Finalhelden. Sein 1:0 ebnet den Weg zum erneuten Double. Bitter für Dortmund: Ein Kopfball von Mats Hummels in der regulären Spielzeit war hinter der Linie, doch das Tor zählte nicht.

Bei der ersten Siegerehrung der Saison bleibt den erfolgsverwöhnten Bayern nur die Zuschauerrolle. Neben der Niederlage gegen den Erzrivalen schmerzt die schwere Knieverletzung von Javi Martínez. Pierre-Emerick Aubameyang feiert sein 2:0 mit Spider-Man-Maske.

Den vorletzten Tabellenrang findet Jürgen Klopp «beschissen». Als die Bayern-Stars ihren verdienten 2:1-Sieg feiern, müssen Klopp & Co. die branchenüblichen Schmähgesänge ertragen. «Zweite Liga, Dortmund ist dabei», schallt es schadenfroh durch die Arena.

Mann des Tages vor 80 667 Zuschauer ist Robert Lewandowski. Der Ex-Dortmunder entscheidet das Spiel mit seinem Kopfballtreffer in der 36. Minute. «Wir haben gewonnen, aber die Dortmunder waren besser», sagte Bayern-Coach Guardiola vor dem Wiedersehen am Dienstagabend.