«Von oben gesehen»: Schau zur Vogelperspektive

Früher musste man auf Berge oder Türme steigen, heute ist der Blick von oben per Satellit und Internet alltäglich: Die Geschichte der Vogelperspektive in der Kunst ist vom 20. November an im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in einer Sonderausstellung zu sehen.

«Von oben gesehen»: Schau zur Vogelperspektive
Daniel Karmann «Von oben gesehen»: Schau zur Vogelperspektive

Gezeigt werden etwa Zeichnungen vom Anfang des 16. Jahrhunderts von Albrecht Dürer, gezeichnete oder gemalte Stadtansichten von Wien, Dresden, Prag oder Paris bis zu einer Foto-Arbeit über das im Zweiten Weltkrieg zerbombte Köln von Gerhard Richter. Kleine Stadtmodelle, abstrakte und Video-Kunst runden die Ausstellung ab. Die Schau «Von oben gesehen» zeigt 200 Exponate vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart.

«Zum ersten Mal thematisiert eine Sonderausstellung die Geschichte der Vogelperspektive über einen Zeitraum von 500 Jahren», sagte der Generaldirektor des Museums, Ulrich Großmann, vorab. Der Blick von oben fasziniere die Menschen seit Jahrhunderten, doch lange sei dieser Blick nur einem exklusiven Kreis vorbehalten gewesen - etwa denjenigen, die sich einen Flug mit dem Heißluftballon leisten konnten. Beholfen haben sich die Künstler am Anfang des 16. Jahrhunderts noch, indem sie auf Türme oder Berge kletterten.

Ähnlich arbeitete Jacopo de Barbari für seinen Riesenholzschnitt von Venedig aus dem Jahr 1500. Er kannte den Blick von oben nicht - seinen Plan konstruierte er allein auf der Grundlage von Vermessungen und den Gesetzen der Perspektive. «Es ist faszinierend, mit welcher Genauigkeit das geschehen ist», sagte Großmann. Er habe die Perspektive «meisterhaft angewandt, aber zugleich manipuliert», sagte Kuratorin Yasmin Doosry. Auf dem Werk ist der Canal Grande etwa an der Stelle am breitesten, wo er in Wirklichkeit am schmalsten ist. Auch wichtige Gebäude wie der Markusdom sind größer als in Wirklichkeit.

Die ersten Arbeiten zur Vogelperspektive um das Jahr 1500 entstanden vor allem aus der Fantasie der Künstler heraus - es dominierten religiöse Motive. Als die Kartographen im 16. Jahrhundert begannen, systematisch Berge, Wälder, Flüsse und Dörfer zu vermessen, wurden auch die Gemälde realistischer. Die Ausstellung zeigt zudem kleine Modelle etwa von Ingolstadt, alte Globen und Regionalkarten für bestimmte Zwecke: Auf ihnen waren etwa Forst- und Jagdrechte vermerkt.

Diesen Bildern gegenüber hängt in der Schau ein modernes 25-teiliges Foto-Werk des Künstlers Ólafur Elíasson, in dem Luftbilder von Gletscherzungen und Schneefeldern des Landesvermessungsamtes von Island wie abstrakte Gemälde aussehen. Beeindruckend sind zudem großformatige Ansichten verschiedener Städte wie Nürnberg, Wien und Frankfurt - letztere als achtteiliges, extrem detailreiches Panorama aus dem Jahr 1809 von Johann Friedrich Morgenstern.