Vor Bayern-Duell: BVB-Stimmung von Chaoten verhagelt

Freude über die zweite Garnitur, Enttäuschung über einige unbelehrbare Fans: Drei Tage vor dem Bundesliga-Hit beim deutschen Meister und Tabellenführer Bayern München durchlebte Borussia Dortmund ein Wechselbad der Gefühle.

Die von Trainer Thomas Tuchel als «tolle Mannschaftsleistung» gefeierte Vorstellung einer Dortmunder B-Formation beim 1:1 bei PAOK Saloniki verkam durch die von einigen BVB-Anhängern provozierte Spielunterbrechung fast zur Nebensache.

Die Bilder von brennenden Bengalos im Gästeblock des Stadions Toumba und der massive Einsatz der Polizei mit Schlagstöcken sowie eine Spielunterbrechung in der 48. Minute empfanden BVB-Sportdirektor Michael Zorc als «beschämend», Tuchel als «sehr ärgerlich» und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als «jammerschade».

Der BVB-Boss will sich dies auch angesichts der zu erwartenden Sanktionen durch die UEFA, die bis hin zu Zuschauer-Ausschlüssen reichen können, nicht mehr bieten lassen und drohte den Verursachern mit Konsequenzen. «Eine Grenze ist erreicht. Man kann das in keiner Weise tolerieren. Mit Dialog und guten Worten kommt man nicht weiter», sagte er.

Sportlich feierte man nach den Ernüchterungen in der Bundesliga bei 1899 Hoffenheim (1:1) und gegen Aufsteiger Darmstadt 98 (2:2) das 1:1 bei PAOK als gelungene Generalprobe für das Top-Spiel in München am Sonntag (17.30 Uhr/Sky). «Das war eine tolle Mannschaftsleistung und auch individuell eine Top-Vorstellung», erklärte Thomas Tuchel zu seiner stark veränderten Formation und fügte fast euphorisch hinzu: «Es hat so viel Spaß gemacht, diese Mannschaft zu coachen und ihr bei dieser Leistung zuzuschauen.»

Das Star-Quintett mit Mats Hummels, Pierre-Emerick Aubameyang, Ilkay Gündogan, Shinji Kagawa und Sokratis war erst gar nicht mit nach Griechenland gereist, um für den Gipfel in München ausgeruht zu sein. Die Vertreter wie Gonzalo Castro, Adnan Januzaj oder Benjamin Weigl hatten optisch zwar die Spiel-Kontrolle, gerieten aber durch den ehemaligen Deutschland-Profi Robert Mak (34.) einmal mehr in Rückstand. Trotz guter Chancen brachte erst das kuriose Tor durch Castro, dessen lauwarme Flanke dank des Einsatzes von Jonas Hofmann über die Linie kullerte, den Ausgleich (72.).

«Wir sind im fünften Spiel hintereinander in Rückstand geraten, die Mannschaft hat aber nicht die Ruhe verloren und eine Riesenmoral gezeigt», sagte Zorc. Torschütze Castro freute sich auf ein «schönes Spiel» in München. Der Neuzugang aus Leverkusen mahnte auch angesichts des Rückstands von vier Punkten auf den Meister, sich nicht mit «den Bayern zu vergleichen und zu messen.» Das war ganz im Sinne von Hans-Joachim Watzke («Wir sind nicht chancenlos»), der zum wiederholten Male betonte: «Wir spielen dort um den Einzug in die Champions League. Es geht nicht um die Meisterschaft.»