Vor Besuch aus Vatikan: Limburgs Bischof wirbt um Vertrauen

Vor dem mit Spannung erwarteten Besuch eines päpstlichen Gesandten geht der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst weiter auf seine Kritiker zu.

Während er allerdings in einer Predigt Dialogbereitschaft zeigte und um Vertrauen warb, legt sein schärfster Widersacher nach.

Er werde Kardinal Giovanni Lajolo bei seinem Besuch im Bistum Limburg von einer «zerstörerischen Vertrauenskrise» berichten, kündigte der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz in einem Zeitungsinterview an. Lajolo wurde am Montag im Bistum erwartet. Bis zum frühen Abend gab es aber keine Angaben, ob der Gesandte aus Rom in Limburg eingetroffen war.

Dem Limburger Oberhirten werden ein autoritärer Führungsstil und Verschwendung vorgeworfen, etwa beim Bau seines Bischofshauses. Erst am Freitag war ihm ein Protestbrief mit rund 4400 Unterschriften von Kirchenmitarbeitern, Priestern und Gläubigen überreicht worden.

Laut Bistum soll der Besuch aus dem Vatikan dem Bischof den Rücken stärken. Lajolo plane keine Untersuchung oder Absetzung, «sondern der Besuch dient dem brüderlichen Gespräch», sagte ein Sprecher. In einem Brief der Bischofskongregation an den Limburger Bischof heißt es dazu auch, Kardinal Lajolo komme nach Limburg um «gegebenenfalls brüderlich zu ermahnen, vor allem aber um Ihren bischöflichen Dienst zu stützen und zum Frieden und zur Einheit zu ermutigen».

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann geht dagegen davon aus, dass der Streit aus Sicht des Vatikans nicht mehr intern beendet werden kann. Dass der päpstliche Gesandte in der betroffenen Diözese erwartet wird, zeige, «dass man in Rom der Meinung ist, dass sich das offensichtlich nicht mehr alleine innerhalb des Bistums Limburg lösen lässt, und das ist schon auch ein Alarmzeichen», sagte Lehmann der Nachrichtenagentur dpa.

«Nur im Miteinander gibt es Halt», hatte Tebartz-van Elst zuvor bei einem Festgottesdienst zu Eröffnung der 55. Kreuzwoche im Bistum betont. In der Krise komme es darauf an, sich dem Strudel der Herausforderungen zu stellen, beieinander zu stehen und die Verbindung zu suchen, die Halt gebe. Der Hand vertrauen zu können, die ausgestreckt werde, sei die Voraussetzung für Stabilität und Balance.

Auch Kardinal Lehmann rief zur Versöhnung auf. «Jetzt geht es darum, ob von innen her versöhnungsbereite Kräfte da sind. Die müssen im Domkapitel, bei den Priestern und in den Gemeinden des Bistums da sein, der Bischof muss etwas dazu tun», sagte der 77-jährige Mainzer. Am Ende werde es um die Frage gehen: «Gibt es eine Chance für einen echten Neuanfang mit den Leuten, die da sind? Wie das ausgeht, kann ich nicht sagen», ergänzte Lehmann, der zwei Jahrzehnte Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war. Allerdings halte er nicht viel von «Dingen wie Solidaritätsbekundungen».

Stadtdekan zu Eltz, einer der prominentesten Kritiker des Limburger Bischofs, begrüßte die Visite eines päpstlichen Gesandten. Er will seine Kritik aber nicht zurücknehmen: «Ich werde ihm in aller Offenheit sagen, dass ich den Bischof in der Ausübung seines Dienstes behindert sehe, weil sich das Bistum in einer tiefgreifenden, zerstörerischen Vertrauenskrise befindet», kündigte zu Eltz in einem Interview mit dem «Kölner Stadt-Anzeiger» an.