Vor dem Urteil: Schettino verteidigt sich unter Tränen

Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Urteil gegen «Costa Concordia»-Kapitän Francesco Schettino hat der Angeklagte unter Tränen seine Rolle als Sündenbock beklagt.

Vor dem Urteil: Schettino verteidigt sich unter Tränen
Carlo Ferraro Vor dem Urteil: Schettino verteidigt sich unter Tränen

«Mein Kopf wurde geopfert, um wirtschaftliche Interessen zu schützen», sagte der 54-Jährigen vor dem Gericht im toskanischen Grosseto, bevor sich die drei Richter zur Beratung zurückzogen. Sie sollten am Abend oder am Donnerstagmorgen das Urteil in dem Prozess um die Havarie des Kreuzfahrtschiffes mit 32 Toten im Januar 2012 sprechen.

Die Richter berieten in einem Garderobenraum des Theaters, in dem der Prozess seit Juli 2013 stattfindet. Um 19 Uhr am Mittwochabend wollten sie erklären, ob sie ihr Urteil verkünden oder weitere Zeit zur Beratung brauchen.

Schettino ist der einzige Angeklagte in dem Prozess, ihm werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung sowie das Verlassen des Schiffs vorgeworfen. Die Anklage hat eine Haftstrafe von 26 Jahren und drei Monaten gefordert.

Schettino beklagte in seinen Schlussworten, er sei in den Medien falsch dargestellt worden. «An diesem 13. Januar 2012 bin auch ich zum Teil gestorben», sagte er. «Es ist schwierig, das ein Leben zu nennen, was ich lebe.» Anschließend versagte dem Unglückskapitän die Stimme, unter heftigem Schluchzen musste er sein Statement abbrechen.

Sein Anwalt Domenico Pepe verteidigte den Kapitän und betonte, er sei das schlimmste Opfer des Unglücks. «Er wurde gedemütigt, verspottet, vor Gericht beleidigt und von der Presse verfolgt.» Der Süditaliener habe seit dem Unglück besonders gelitten. «Er kann sich nicht frei bewegen, er kann nicht ins Restaurant gehen. Diese drei Jahre waren wie eine Haftstrafe von 30 Jahren.»

Die Nebenkläger forderten erneut, auch die Reederei Costa Crociere vor Gericht zu stellen. Sie hatte sich vor Beginn des Prozesses mit der Justiz gegen Zahlung einer Strafe auf eine Einstellung des Verfahrens geeinigt. Auch Schettino erklärte, der Prozess habe eigentlich eine ganze Organisation betreffen sollen, und nicht nur ihn als einzigen Angeklagten. «Costa ist schuldig, das Leben von mehr als 4000 Menschen in die Hände dieses Mannes gelegt zu haben», erklärte die französische Überlebende Anne Decré.