Vor Schweigemarsch in Paris - Innenminister beraten

Paris bereitet sich auf eine historische Kundgebung gegen islamistischen Terror vor. Spitzenpolitiker aus aller Welt reisten an, um in der französischen Hauptstadt Solidarität mit den Opfern der jüngsten Gewaltwelle im Land zu zeigen.

Vor Schweigemarsch in Paris - Innenminister beraten
Olivier Hoslet Vor Schweigemarsch in Paris - Innenminister beraten

Hunderttausende Menschen wurden zu dem Schweigemarsch erwartet, an dem auch Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teilnehmen wollten.

Tausende Polizisten und Soldaten sind für die Sicherung des Solidaritätsmarsches im Osten von Paris mobilisiert, außerdem Scharfschützen auf den Dächern und etwa 150 Beamten in Zivil. Zu der Gedenkveranstaltung für die 17 Toten des Anschlags auf «Charlie Hebdo» und zweier weiterer terroristischer Gewalttaten von Islamisten hatten sich aus Deutschland auch Vizekanzler Sigmar Gabriel und die Minister Frank-Walter Steinmeier (Außen) und Thomas de Maizière (Innen) angekündigt. De Maizière beriet mit EU-Kollegen sowie US-Justizminister Eric Holder über Konsequenzen im Kampf gegen den Terrorismus.

Staatschef Hollande empfing im Élysée-Palast zunächst die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinde des Landes. Der Großrabbiner von Frankreich, Haïm Korsia, und der Präsident der jüdischen Dachorganisation Crif, Roger Cukierman, führten die Delegation an. Einer der Attentäter hatte am Freitag in einem koscheren Geschäft Geiseln genommen und nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Menschen erschossen. «Wir sind in einer Kriegssituation», sagte Cukierman.

Die Regierung habe zugesagt, jüdische Schulen und Synagogen von Soldaten schützen zu lassen, sollte dies notwendig werden, fügte er hinzu. Dass Juden aus Frankreich wegen der Gewalt nach Israel auswandern, respektiere die Dachorganisation, doch müsse der Terrorismus in Frankreich bekämpft werden. Hollande wollte nach dem Schweigemarsch noch am Abend die Große Synagoge von Paris für eine Trauerfeier aufsuchen.

Nach dem dramatischen Ende der Anti-Terror-Einsätze in Frankreich suchen die Ermittler mögliche Unterstützer der islamistischen Gewalttäter. Auch nach dem Tod der drei Attentäter galt weiterhin die höchste Alarmstufe. Intensiv gefahndet wurde nach der flüchtigen Lebensgefährtin eines der getöteten Terroristen. Die 26-Jährige soll Frankreich aber schon einige Tage vor dem Anschlag auf das Satireblatt «Charlie Hebdo» verlassen haben. Gegen die Welle der Gewalt gingen am Samstag im ganzen Land bereits etwa 700 000 Menschen auf die Straße, bilanzierte Innenminister Bernard Cazeneuve.

Zwölf Menschen starben am Mittwoch beim Anschlag auf das Satiremagazin, eine Polizistin wurde am Donnerstag bei einer Schießerei im Süden von Paris getötet, vier Menschen brachte einer der Terroristen am Freitag bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Laden im Osten von Paris um. Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) drohte Frankreich mit mehr Anschlägen.

Die Brüder Chérif Kouachi (32) und Said Kouachi (34), die in der «Charlie-Hebdo»-Redaktion ein Blutbad mit zwölf Toten angerichtet hatten, riefen dabei «Allah ist groß» und «Wir haben den Propheten gerächt». Sie behaupteten, zur Terror-Organisation Al-Kaida zu gehören. Der jüngere der beiden hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler 2011 im Jemen aufgehalten. Auch die Miliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. «Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein», sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari in der nordirakischen Stadt Mossul. Einen Zusammenhang mit IS behauptete Amedy Coulibaly (32), der dritte der am Freitag getöteten Männer.

Spezialeinheiten hatten am Freitag in Dammartin-en-Goële etwa 40 Kilometer nordöstlich von Paris Chérif und Said Kouachi erschossen, die hinter dem «Charlie-Hebdo»-Anschlag stecken sollen. Fast zeitgleich beendeten sie die Geiselnahme im Pariser Osten.

Die drei Attentäter hatten sich nach einem Bericht des französischen Fernsehsenders BFMTV bei ihren Taten eng abgestimmt. In einem Gespräch sagte Coulibaly, er habe sich mit den Brüdern Kouachi abgesprochen. Die beiden sollten das Satireblatt angreifen, er selbst wollte Polizisten ins Visier nehmen. Die Fahnder wollen herausfinden, woher die Waffen der Terroristen stammten und ob die Männer Anweisungen erhielten, «aus Frankreich, dem Ausland oder dem Jemen», so der Staatsanwalt von Paris, François Molins.