Vor Treffen mit Putin kritisiert Erdogan Deutschland

Kurz vor einem Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einem Millionenpublikum die Einheit des Landes beschworen und Deutschland kritisiert.

Vor Treffen mit Putin kritisiert Erdogan Deutschland
Sedat Suna Vor Treffen mit Putin kritisiert Erdogan Deutschland

Den deutschen Behörden warf er vor, «Terroristen zu ernähren» und stellte erneut die Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht. «So eine Entscheidung vom Parlament würde ich ratifizieren», sagte er vor jubelnden Teilnehmern der Kundgebung gegen den Putschversuch am Sonntagabend in Istanbul. Die EU hat für einen solchen Fall das Ende der Beitrittsverhandlungen angekündigt.

Vorwürfe, er strebe in Folge des Putschversuches in seinem Land nach Alleinherrschaft, wies Erdogan zurück. «Ich bin kein Despot oder Diktator», sagte er dem Sender Al-Dschasira nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Zugleich griff er erneut westliche Staaten an: «Der Westen hat uns nicht gezeigt, dass er gegen den Putsch ist. Ihr Schweigen ist unentschuldbar.»

Annäherung zwischen Putin und Erdogan

Am Dienstag trifft Erdogan den Kreml-Chef in St. Petersburg. Die Türkei hatte Ende November einen russischen Bomber im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau verhängte daraufhin massive Sanktionen etwa im Tourismus gegen Ankara. Ende Juni hatte Erdogan dann in einem Brief sein Bedauern über den Zwischenfall bekräftigt. Bei dem Treffen will Erdogan mit seinem «Freund Wladimir» den bilateralen Streit nun endgültig beilegen, wie er der Nachrichtenagentur Tass sagte.

Weniger freundlich äußerte sich Erdogan über Deutschland. Er kritisierte, dass er sich bei der türkischen Kundgebung in Köln am Sonntag vor einer Woche nicht per Videoleinwand zuschalten durfte. «Wo ist die Demokratie?», fragte er. Den deutschen Behörden warf er vor, bei einer früheren Veranstaltung in Köln eine Videoschalte der PKK zugelassen zu haben. «Sollen sie die Terroristen nur ernähren», sagte er. «Wie ein Bumerang wird es sie treffen.» Vor allem SPD-Chef Gabriel und der Fraktionschef der Union, Volker Kauder, kritisierten die Türkei und den Präsidenten daraufhin.