Vorsicht sorgt am deutschen Aktienmarkt für Verluste

Sorgen um eine womöglich langsamere Gangart in der US-Geldpolitik haben für einen Rückgang am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Der Dax verlor bis zum Nachmittag 1,43 Prozent auf 9267,65 Punkte und verbuchte damit den größten Tagesverlust seit Ende August.

Der MDax fiel um 1,66 Prozent auf 16 123,50 Punkte. Die beiden Indizes hatten am Montag jeweils neue Bestmarken erreicht. Der TecDax gab um 1,65 Prozent nach auf 1137,19 Punkte. Auch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 lag deutlich im Minus mit 1,42 Prozent.

Anleger agierten aus Vorsicht vor möglicherweise guten US-Konjunkturdaten zurückhaltend, sagten Börsianer. Gute Nachrichten aus der größten Volkswirtschaft der Welt erhöhen demnach die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm eher drosseln wird.

«Es ist gesund, dass der DAX sein Überdruckventil geöffnet hat und zwischenzeitlich auch einmal nachgibt», sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. «Fundamental ist wohl die Angst da, dass nach den zuletzt guten Industriedaten in den USA auch der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag gut ausfallen könnte.»

Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black verwies ebenfalls auf den überraschenden Anstieg des ISM-Einkaufsmanagerindex in den USA am Vortag. Zudem habe der enttäuschende Beginn des Weihnachtsgeschäfts auf amerikanischen Aktien gelastet. Investoren warteten vor den anstehenden US-Konjunkturzahlen in dieser Woche nun erst einmal ab. Unter anderem steht am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht an.

Aktien von ThyssenKrupp verloren nach der angekündigten Kapitalerhöhung weiter an Boden. Die Titel des kriselnden Stahlkonzerns gaben 2,41 Prozent ab, nachdem sie bereits am Vortag wegen der Enttäuschung um die fortdauernde Misere herbe Verluste von mehr als acht Prozent hatten einstecken müssen. Mit den mehr als 51 Millionen neu ausgegebenen Aktien sammelten die Essener brutto rund 880 Millionen Euro ein, je Aktie erlöste der Konzern 17,15 Euro - die Krupp-Stiftung als Hauptaktionärin beteiligte sich allerdings nicht. Mit der Kapitalerhöhung sei nun eine große Belastung für den Aktienkurs vom Tisch, sagte ein Händler. Die Platzierung selbst drücke aber zunächst auf den Kurs.

Zusammen mit ThyssenKrupp befanden sich Commerzbank und Lufthansa in der Schlussgruppe im Leitindex. Beim teilverstaatlichten Kreditinstitut sorgte die Durchsuchung von Geschäftsräumen durch Steuerbehörden für Aufsehen, die Papiere lagen mit 3,45 Prozent im Minus. Die Ermittlungen richten sich allerdings nicht gegen die Bank - einem Bericht des «Handelsblatts» zufolge geht es um Betrug mit Lebensversicherungen aus dem Haus des italienischen Versicherungskonzerns Generali.

Lufthansa verloren 3,51 Prozent. Händler verwiesen auf Medienberichte zu einem Fall von Vogelgrippe in Hongkong, der die Fluggesellschaft belaste. Anzeichen dafür, dass sich die Krankheit ausbreiten könnte, seien negativ für Airlines.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,41 auf 1,42 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,04 Prozent auf 133,77 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,16 Prozent auf 141,34 Punkte. Der Euro legte zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3578 (Montag: 1,3536) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7365 (0,7388) Euro.