Vorwurf der Wahlfälschung bei Präsidentenwahl in Ägypten

Die ägyptische Armee soll nach Informationen eines anerkannten israelischen Politikers aus Furcht vor Unruhen den Ausgang der Präsidentenwahl in dem Land gefälscht haben.

Demnach habe der Vertreter des alten Systems, Ahmed Schafik, die Stichwahl im Juni 2012 knapp gegen den Islamisten Mohammed Mursi
gewonnen, schrieb Jossi Beilin am Sonntag in der Zeitung «Israel Hajom». Das Militär habe aber gefährliche Unruhen befürchtet, falls Mursi nicht gewinnen würde. Schafik gehörte zum System des im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak.

Ein namentlich nicht genannter ägyptischer Regierungsvertreter habe die Wahlfälschung im Gespräch mit ihm zugegeben, schrieb der ehemalige israelische Justizminister. Beilin gehört zu den Architekten der israelisch-palästinensischen Friedensabkommen.

«Die Armee ging davon aus, dass der unerfahrene Mursi einer gemeinsamen Verwaltung mit der Armee zustimmen würde, auch hinsichtlich der Beziehungen mit Israel», schrieb Beilin. In der Realität habe Mursis Regime jedoch Unfähigkeit in der Verwaltung gezeigt und versucht, dem gesamten Volk seine islamistische Weltsicht aufzuzwingen. Mursi habe auch das mächtige Militär in die Schranken gewiesen.

Armeechef Abdelfattah Al-Sisi habe bei dem jüngsten Vorgehen gegen Mursis Anhänger nicht mit so vielen Toten gerechnet, schrieb Beilin unter Berufung auf seine Quelle in Ägypten.

Die ägyptische Armee hatte nach Massenprotesten den ersten freigewählten Präsidenten des Landes am 3. Juli gestürzt. Sie hält Mursi an einem unbekannten Ort fest. Die Muslimbruderschaft, in der Mursi seine politischen Wurzeln hat, fordert, dass der Ex-Präsident wieder in sein Amt eingesetzt wird.