Vulkanausbruch in Japan: Giftgase stoppen Helfer

Giftige Gase erschweren die Bergung von Dutzenden Opfern am ausgebrochenen Vulkan Ontakesan in Japan. Die Arbeiten gehen nur schleppend voran. Schätzungen gehen von mindestens 36 Toten aus.

Bis zum Montag konnten erst zwölf Leichen mit Helikoptern vom Berg geholt werden. Noch immer gelten einige Wanderer als vermisst, darunter ein elfjähriges Mädchen.

Experten warnen derweil vor weiteren Eruptionen. Etwa 540 Polizisten, Feuerwehrleute und Soldaten waren am Morgen an den 3067 Meter hohen Berg zurückgekehrt, um die Bergung der Leichen und die Suche nach möglichen weiteren Opfern fortzusetzen. Ihren gefährlichen Einsatz mussten sie später erneut abbrechen. Am Dienstag wollen sie weitermachen.

Für die Angehörigen der auf dem Gipfel zurückgebliebenen Opfer wird das lange Warten zur furchtbaren Qual. Eltern und Freunde fanden sich in Orten am Fuße des Berges ein, darunter auch die Eltern des vermissten Mädchens. Sie seien vollkommen erschöpft, glaubten aber weiter fest daran, dass ihre Tochter lebe, sagte der stellvertretende Leiter der Schule des Mädchens einem Reporter. «Wir hoffen nur, dass sie heil wieder zurückkommt».

Das Kind war Medienberichten zufolge mit einer Wandergruppe auf den Ontakesan gestiegen und befand sich vermutlich zum Zeitpunkt des Ausbruchs nahe des Gipfels. Ein Vater, der seinen 26-jährigen Sohn ebenfalls vermisst, brach vor laufenden Kameras weinend zusammen.

Furchtbar ist das Erlebnis auch für die Wanderer, die die Katastrophe überlebten und mit ansehen mussten, wie andere zurückblieben. Takahiro Suzuki (35) befand sich zusammen mit Freunden am Gipfel, als der Vulkan ausbrach. Kurz darauf wurde alles dunkel um sie herum. Eine frühere Studienkollegin sei bewusstlos umgefallen, schilderte er einem Zeitungsreporter. Ihr Bein, das von einem Stein getroffen worden sei, sei entstellt gewesen und habe stark geblutet.

Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, sie zu einer nahen Hütte zu bringen. Er habe sie verbunden und Herzmassagen vorgenommen und sie angefleht: «gambare, gambare», (halte durch, halte durch). Doch plötzlich habe er gemerkt, wie ihr Herz aufhörte zu schlagen. «Ich habe getan, was ich konnte, aber (...) ich hoffe, sie wird geborgen», sagte der Japaner unter Tränen. «Solange ich das nicht weiß, kann ich nicht nach Haus.»

Der 200 Kilometer westlich von Tokio gelegene Vulkan war am Samstag plötzlich ausgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bei schönstem Wetter viele Wanderer auf dem beliebten Berg aufgehalten. Besonders im Herbst, wenn sich das Laub der riesigen Wälder im ganzen Land wunderschön färbt, zieht es viele Japaner auf den Ontakesan und andere Berge. Obwohl Japan mit seinen hochmodernen Frühwarnsystemen als weltweit führend gilt, war der Ausbruch des Vulkans nicht vorhergesehen worden.

Wissenschaftler erklären, dass es sich am Ontakesan um eine sogenannte Wasserdampfexplosion gehandelt habe. Dabei wird Grundwasser im Berg von Magma erhitzt und schießt plötzlich aus dem Vulkan heraus. Diese Art von Explosionen vorherzusagen sei grundsätzlich schwierig.

Zwar hatte die Meteorologische Behörde seit etwa Mitte des Monats vermehrte vulkanische Beben am Gipfel des Ontakesan registriert, was den umliegenden Gemeinden auch mitgeteilt wurde, wie der TV-Sender NHK meldete. Allerdings seien keine auffallenden Bewegungen der Erdkruste festgestellt worden. Als Warnstufe galt weiter die unterste Stufe.

Anders als diesmal habe es beim vorherigen Ausbruch des Ontakesan vor sieben Jahren viele Hinweise auf einen möglichen, bevorstehenden Ausbruch gegeben, sagte Yasuo Sekita, Leiter der Vulkanabteilung bei der Meteorologischen Behörde, dem Sender NHK. So habe es nicht nur vulkanische Beben, sondern zusätzlich auch Beben mit anderen Wellenlängen gegeben. «Daher war es (diesmal) schwierig, anhand der Phänomene im Vorfeld den Ausbruch vorherzusagen», so Sekita weiter.

Da weiter die unterste Warnstufe galt, sahen die betroffenen Gemeinden im Umkreis des Ontakesan Medienberichten zufolge keinen Handlungszwang. Lediglich ein Dorf soll die Informationen über die vermehrten Beben an die Hütten am Berg weitergeleitet haben. «Wir dachten nicht, dass man anlässlich dieser Informationen besondere Maßnahmen ergreifen muss», erklärte ein Gemeindevertreter laut NHK. Nun wollen die Gemeinden zusammen mit der Meteorologischen Behörde und Vulkanexperten überlegen, ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

In Japan gelten derzeit 110 Vulkane als aktiv. Dazu zählt auch der heilige Berg Fuji. Dennoch steigen jedes Jahr im Sommer zwischen Juli und August im Durchschnitt 300 000 Menschen auf den 3776 Meter hohen Berg, darunter auch viele ausländische Touristen.