VW-Aufseher suchen Erben für gestürzten Winterkorn

Vor dem Treffen des Aufsichtsrates zur Abgas-Affäre und Neubesetzung des Chefpostens bei VW ist am Morgen bereits das Präsidium des Kontrollgremiums in Wolfsburg zusammengekommen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen.

Zu der Vorbesprechung kamen der Interimsvorsitzende des Präsidiums, Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Großaktionärs-Vertreter Wolfgang Porsche sowie Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf.

Das oberste Kontrollgremium von Europas größtem Autobauer will im Lauf des Tages die Weichen für die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzes stellen. Der bisherige Konzernchef Martin Winterkorn war am Mittwoch wegen des Abgas-Skandals zurückgetreten.

Als Top-Favorit für die Nachfolge gilt Porsche-Chef Matthias Müller. Bei der VW-Tochter Porsche soll wiederum Produktionsvorstand Oliver Blume (47) sehr gute Karten haben, Müller-Nachfolger zu werden.

Nach dpa-Informationen gibt es im Präsidium und Gesamt-Aufsichtsrat insbesondere auf der Arbeitnehmerseite Vorbehalte gegen VW-Markenchef Herbert Diess, der zwischenzeitlich ebenfalls für den Spitzenposten gehandelt worden war. Auch Lkw-Chef Andreas Renschler würden kaum noch Chancen eingeräumt, hieß es aus gut unterrichteten Kreisen.

Neben der Winterkorn-Nachfolge stehen im Aufsichtsrat noch weitere wichtige Personalfragen auf der Tagesordnung. Es wird erwartet, dass sich das Gremium auch auf die Ablösung von VW-US-Chef Michael Horn einigt. Nachfolgefavorit soll Skoda-Chef Winfried Vahland sein.

Auch bei den VW-Töchtern wackeln bislang mächtige Manager. Der bei Porsche für Forschung zuständige Vorstand Wolfgang Hatz musste bereits am Donnerstag seinen Hut nehmen. Gleiches dürfte am Freitag Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg widerfahren, wie dpa aus Konzernkreisen erfuhr.

Am vergangenen Wochenende war bekanntgeworden, dass VW in den USA mit einer speziellen Software Abgas-Tests von Dieselautos manipuliert hat. Die Wolfsburger räumten inzwischen ein, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind - auch bei den Töchtern Audi, Skoda und Seat soll es Probleme geben. Dem Konzern drohen nun milliardenschwere Strafzahlungen.