VW-Betriebsratschef: Renditeschwäche kein Problem für Haustarifrunde

Die gut 100 000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken und bei der Finanztochter erhalten absehbar einen neuen Haustarif. Doch diesmal schwebt ein Sparprogramm über dem Thema. Für Volkswagens Betriebsratsboss Osterloh ist das kein Grund zur Zurückhaltung.

VW-Betriebsratschef: Renditeschwäche kein Problem für Haustarifrunde
Julian Stratenschulte VW-Betriebsratschef: Renditeschwäche kein Problem für Haustarifrunde

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sieht im Sparprogramm bei der renditeschwachen Pkw-Kernmarke keine Bremse für die nahende Haustarifrunde. «Keine Angst, da lassen wir uns vom Vorstand nicht hinter die Fichte führen», sagte Osterloh der Nachrichtenagentur dpa.

Im Sommer hatte Konzernchef Martin Winterkorn der Kernmarke mit dem VW-Logo ein milliardenschweres Spar- und Effizienzprogramm verordnet und das Verhältnis aus Arbeitskosten und Produktivität kritisiert. Dem hielt Osterloh schon damals entgegen, dass der Fehler mitnichten in der Belegschaft zu suchen sei, sondern im Management der Fabrikplanung. Vielmehr bügelten die Mitarbeiter diese Unwucht seit Monaten mit Mehrarbeit und Sonderschichten aus.

Daher gebe es auch überhaupt keinen Grund für falsche Bescheidenheit in der Haustarifrunde, in der vom nächsten Februar an der neue Vertrag für die gut 100 000 Haustarif-Mitarbeiter ausgehandelt wird.

Dabei rechnet Osterloh mit heiklen Gesprächen. Ein erstes Anzeichen gab es jüngst, als der Konzern einen für 2014 in Aussicht gestellten Rentenbonus abschrieb. VW hatte die 300 Euro hohe Sonderleistung im Frühling 2013 für den laufenden Haustarif mit Vorbehalt als mögliche Leistung versprochen. Doch nun kam in ersten Gesprächen die Absage.

Das wertet Osterloh als ein Vorzeichen. «Da hätte man ja auch sagen können: «Das regeln wir geräuschlos und um die 300 Euro soll es nicht gehen»», sagte er. Doch das Unternehmen meine, sich das nicht leisten zu können. «Und das werden sie natürlich auch bei den Verhandlungen im nächsten Jahr bei anderen Dingen noch stärker betonen.»

Auch die jüngsten Anzeichen, wonach sich die Konjunktur eintrübt, sorgen den mächtigen Betriebsratsboss nicht. Er sieht darin auch eine Überzeichnung. «Immer, wenn eine Tarifrunde ansteht, gehen die Prognosen nach unten. Aber selbst, wenn es tatsächlich schlechter werden sollte: Mit mehr Geld kann man ja auch mehr Nachfrage erzeugen», entgegnete er Forderungen nach Lohnzurückhaltung.

Inhaltlich solle es in der VW-Haustarifrunde neben mehr Geld auch um qualitative Ziele gehen. Übereinstimmungen zum IG-Metall-Flächentarif gebe es dabei aber kaum. So stehe das Thema Freistellung für Bildung wegen VW-interner Regelungen kaum zur Debatte und auch der in der Fläche virulente Punkt Altersteilzeit sei im Haustarif noch bis 2016 geregelt. «Aber man muss gucken, was man aus dem Thema «Gute Arbeit» macht und zum Beispiel zur Zahl der Ausbildungsplätze. Dieser Vertrag läuft nämlich aus», berichtete Osterloh.