VW hat noch eine offene Abgas-Rechnung - US-Behörde kippt Rückrufplan

Der Abgas-Skandal ist für VW noch lange nicht ausgestanden. Auch in den USA, wo sich der Konzern zuletzt mit Klägern auf einen Milliardenvergleich einigte, gibt es viele offene Fragen. Jetzt haben US-Behörden erneut einen Rückrufplan abgelehnt.

VW hat noch eine offene Abgas-Rechnung - US-Behörde kippt Rückrufplan
Arno Burgi VW hat noch eine offene Abgas-Rechnung - US-Behörde kippt Rückrufplan

Um welche Autos geht es überhaupt?

Um VW-, Audi- und Porsche-Wagen in den USA mit 3,0-Liter-Dieselmotor. Audi hatte im November zugegeben, dass auch diese Wagen mit einer verbotenen Abgas-Software ausgestattet sind. Die Aggregate sind vor allem in den Dickschiffen des Konzerns verbaut: VW Touareg, Porsche Cayenne, Audi A8 und anderen Audi-Modellen. Laut VW-Geschäftsbericht sind 113 000 Autos in den USA und Kanada betroffen. Die US-Behörden sprechen von 85 000 Fahrzeugen nur in den Vereinigten Staaten - das sind deutlich weniger als die rund 480 000 Dieselautos mit 2,0-Liter-Motoren, bei denen sich der Konzern kürzlich mit US-Klägern auf einen knapp 15 Milliarden US-Dollar schweren Vergleich geeinigt hatte. In Kalifornien sind etwa 16 000 3,0-Liter-Fahrzeuge betroffen.

Ist jetzt der schon ausgehandelte Milliardenvergleich in Gefahr?

Nein. Die Autos mit dem 3,0-Liter-Aggregat waren im Zuge des Abgas-Skandals erst später hinzugekommen und deshalb extra ausgeklammert worden. In die großen Motoren ist auch eine andere Software enthalten als in den kleineren. Allerdings muss VW für die 3,0-Liter-Autos ebenfalls eine Lösung präsentieren, sonst dürfte es noch teurer für den Konzern werden. Auch hier sind Entschädigungszahlungen und Bußgelder zu erwarten, möglicherweise drohen auch Rückkäufe. Das wäre für den Konzern der schlimmste Fall. Je Auto dürfte VW dann noch deutlich mehr auf den Tisch legen müssen als beim ersten Milliardenvergleich, denn jetzt geht es nicht mehr um Golf und Jetta, sondern um teure Oberklasse-Flaggschiffe.

Was passt den US-Behörden denn an Volkswagens Rückrufplan nicht?

Die Regulierer haben die Vorschläge mit deutlichen Worten zurückgewiesen: Der Plan sei «unvollständig» und «substanziell mangelhaft». Insgesamt listet die kalifornische Behörde CARB in einem Brief zehn Kritikpunkte auf. Sie kritisiert unter anderem, dass die Funktionsweise der verbotenen Software noch immer nicht in ausreichendem Umfang offengelegt worden sei. Auch die geplanten Umrüstungsmaßnahmen und deren Auswirkungen auf den Motor seien nur unzureichend beschrieben. Die Abfuhr gilt zwar zunächst nur für Kalifornien - doch das US-Umweltamt EPA pflichtet CARB bei. «Wir stimmen zu, dass VW bislang keinen akzeptablen Rückrufplan für die 3,0-Liter-Dieselfahrzeuge präsentiert hat», sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Die Behörden schlagen die Tür für Verhandlungen aber nicht zu. Man werde die Gespräche mit VW fortsetzen.

Was bedeutet die Ablehnung der Behörden für VW?

Im Konzern gibt man sich gelassen. Es handle sich bei dem Rückruf-Veto um «einen verfahrensrechtlichen Schritt nach kalifornischem Recht», sagte ein Sprecher. Man arbeite weiterhin mit den Behörden zusammen, um eine Lösung zu finden. Dass es diese noch nicht gibt, sorgt aber weiter für Unsicherheit. Der Konzern hatte insgesamt gut 16 Milliarden Euro für die Folgekosten des Diesel-Skandals zurückgelegt. Diese Summe könnte nun fast komplett für den geplanten Vergleich über die 2,0-Liter-Motoren draufgehen. Wenn VW für die größeren Motoren keinen Kompromiss mit den Behörden findet, dürfte noch ein dicker Kostenbatzen obendrauf kommen.

Hat die Ablehnung auch Konsequenzen für deutsche Kunden?

Nein. In Deutschland und Europa gelten andere Abgasregeln als in den USA. Bislang haben sich die Behörden hierzulande noch nicht über die VW-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren beschwert.

Was passiert jetzt mit den betroffenen Autos in den USA?

Vorerst sind die Wagen weiter auf der Straße unterwegs. Allerdings wird es auch für diese Autos irgendwann Konsequenzen geben. Einem Audi-Sprecher zufolge ist der Autobauer permanent im Gespräch mit den US-Behörden. Der Fall liegt weiter beim Richter Charles Breyer, bei dem sämtliche US-Abgasklagen gegen den VW-Konzern gebündelt sind. Breyer zeigte sich bislang mit Blick auf die 3,0-Liter-Fahrzeuge noch recht gelassen. Ob er das auch nach der Ablehnung des Rückrufplans noch so sieht, bleibt abzuwarten. Für den 25. August hat der Richter eine Anhörung angesetzt. Am 26. Juli will er entscheiden, ob das Gericht den Vergleichsentwurf für die kleineren Motoren genehmigt.