Wahltag: Jetzt sind die Bürger am Zug

In Deutschland ist die Bundestagswahl angelaufen. Am Morgen um 8.00 Uhr öffneten die Wahllokale. Rund 61,8 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, Erst- und Zweitstimme abzugeben.

Wahltag: Jetzt sind die Bürger am Zug
Marius Becker Wahltag: Jetzt sind die Bürger am Zug

Darunter sind drei Millionen Erstwähler. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. In Hessen ist gleichzeitig Landtagswahl. Bundeswahlleiter Roderich Egeler rief noch am Vormittag dazu auf, wählen zu gehen: «Mit Ihrer Stimmabgabe machen Sie von einem wesentlichen Grundrecht unserer Demokratie Gebrauch.»

Umfragen zufolge kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf weitere vier Jahre an der Spitze der Bundesregierung hoffen - mit welchem Partner, ist offen. Seit Tagen zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab. Den Demoskopen zufolge gibt es zwischen dem schwarz-gelben Regierungslager und der Opposition praktisch ein Patt.

Als wahrscheinlichste Koalitionsmöglichkeiten gelten entweder die Fortsetzung von Schwarz-Gelb oder eine große Koalition. Für Rot-Grün dürfte es nicht reichen. Rot-Rot-Grün scheidet aus, weil SPD und Grüne eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen haben.

Die FDP muss den Demoskopen zufolge um den Wiedereinzug in den Bundestag zittern, Chancen hat die eurokritische Partei Alternative für Deutschland. Als mitentscheidend für den Ausgang gilt die Wahlbeteiligung, die 2009 bei 70,8 Prozent lag.

Als erster der Spitzenkandidaten gab Peer Steinbrück am Morgen in seinem Bonner Wahllokal seine Stimme ab. Er habe gut geschlafen, sagte der SPD-Politiker. Der Wahlkampf habe ihm Spaß gemacht. Die SPD sei in der letzten Zeit in der Lage gewesen, sich deutlich zu profilieren. Das habe ihn gefreut. «Ich hoffe, dass sich das auch im Wahlergebnis widerspiegelt.»

Bundespräsident Joachim Gauck wählte am Sonntagmorgen in Berlin. Gegen 9.30 Uhr kam er gemeinsam mit Bundeswahlleiter Egeler in die Erich-Kästner-Grundschule (Bezirk Steglitz-Zehlendorf). Mit dabei war auch Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt. Alle drei warfen vor den Augen zahlreicher Medienvertreter ihre Stimmzettel in die Wahlurne.

Für den Bundestag kandidieren 4451 Bewerber in 299 Wahlkreisen, rund 900 mehr als 2009. 30 Parteien treten dabei mit Landeslisten an, 4 weitere mit Kreiswahlvorschlägen. Jeder Wähler kann zweimal sein Kreuz machen: mit der Erststimme für einen Direktkandidaten und mit der Zweitstimme für eine Parteiliste mit mehreren Kandidaten. Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist.

Punkt 18.00 Uhr strahlen die TV-Sender ihre Prognosen aus, kurz darauf folgen die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird in der Nacht zum Montag erwartet. Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss dann das endgültige Ergebnis fest. Spätestens am 22. Oktober muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. In der zweiten Sitzung wählen die Abgeordneten den Bundeskanzler.