«Wahlverwandtschaften»: Englische Privatsammlung in Weimar

Die kulturellen Kontakte der Goethe-Zeit und der Romantik zwischen Weimar und Großbritannien zeichnet eine Sonderausstellung im Schillermuseum in Weimar nach.

«Wahlverwandtschaften»: Englische Privatsammlung in Weimar
Marc Tirl «Wahlverwandtschaften»: Englische Privatsammlung in Weimar

Goethes Romantitel «Wahlverwandtschaften» sei auch das Motto der Schau mit 91 Zeichnungen und Grafiken des britischen Privatsammlers Charles Booth-Clibborn und der 21 Arbeiten der Graphischen Sammlungen der Klassik Stiftung. Das sagte der Leiter der Sammlungen, Hermann Mildenberger. Arbeiten und Themen ergänzten sich auf vielfältige Weise.

Die Ausstellung dokumentiert bis zum 3. November eine stark von der Französischen Revolution geprägte Umbruchszeit in der Kunst. Zu sehen sind unter anderem Zeichnungen und Grafiken von Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein.

Die Ausstellung kreist thematisch um die großen künstlerischen Schwerpunkte jener Zeit - den Gegensatz zwischen mediterraner und nördlicher Landschaft, epischen Stoffen wie Nibelungenlied, Homer und Ossian, mittelalterlicher Geschichte und tiefer christlicher Frömmigkeit. «Wir haben hier die wichtigsten Namen der Romantiker bis zu den Nazarenern versammelt», sagte Mildenberger. Der Verleger Booth-Gibborn sammelt seit 1994 Kunst der Goethe-Zeit. 2011/2012 hatte er in einer Ausstellung im British Museum große Beachtung gefunden. Ergänzt durch Neuerwerbungen ist sie jetzt in Weimar zu sehen.

In die Klassikerstadt hat er unter anderem von Friedrich die hauchzarte Zeichnung «Schiffe im Hafen» mitgebracht. Die Klassik-Stiftung ergänzt sie mit zwei Landschaftsbildern. Neben zwei Weimarer Blumen-Scherenschnitte von Runge stellt der Privatsammler einen weißen Hyazinthen-Scherenschnitt.

Über Tischbein sagte Booth-Gibborn: «We love Tischbein.» Wunderschöne Tierzeichnungen von Fuchs, Esel und Hyäne und «Reinecke Fuchs» aus beiden Sammlungen treten miteinander in einen Dialog. Für einige Wochen vereint sind zwei Tischbein-Zeichnungen mit Hünengräbern. Es fehlt auch nicht der mit Seilen zusammengebundene früchtetragende Obstbaum - für Tischbein nach den napoleonischen Kriegen 1813 eine Allegorie für die Wiedergeburt der deutschsprachigen Nation.

Zurück aus London ist für kurze Zeit das Bildnis Bettina Brentano von Ludwig Emil Grimm. Es gehörte einst zur Kunstsammlung Goethes. Schwiegertochter Ottilie schenkte es einer englischen Familie. Heute ist es im Besitz des British Museum.