War ein Germanwings-Pilot ausgesperrt?

les-Alpes (dpa) - Zum Zeitpunkt der Germanwings-Katastrophe soll laut Medieninformationen nur ein Pilot im Cockpit gewesen sein. Der zweite Pilot habe seinen Platz vor dem Sinkflug verlassen und danach versucht, die verschlossene Tür einzutreten.

Das berichteten die «New York Times» und die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittler. Diese kündigten eine Pressekonferenz an. Deutsche Hinterbliebene flogen am Vormittag nach Marseille und brachen von dort zum Absturzort auf.

Die französischen Untersuchungsbehörde BEA wollte sich zunächst nicht zum genauen Ablauf in der Unglücksmaschine äußern. Von der Lufthansa gab es weder eine Bestätigung noch ein Dementi. «Wir stehen aber in ständigem Austausch mit den zuständigen Behörden», sagte eine Konzernsprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Der Staatsanwalt von Marseille wollte um 12.30 Uhr auf einer Pressekonferenz informieren. Die Chefs von Lufthansa und Germanwings kündigten für 14.30 Uhr eine Pressekonferenz am Flughafen Köln/Bonn an.

Zu Beginn des Flugs hätten sich die Piloten noch normal auf Deutsch unterhalten, berichtete AFP unter Berufung auf die Ermittler. «Dann hört man das Geräusch, wie ein Sitz zurückgeschoben wird, eine Tür, die sich öffnet und wieder schließt, Geräusche, die darauf hindeuten, dass jemand gegen die Tür klopft», zitierte die «New York Times» ihre Quelle. «Und von diesem Moment an bis zum Crash gibt es keine Unterhaltung mehr.»

«Der Mann draußen klopft leicht an die Tür, aber es gibt keine Antwort», zitiert die US-Zeitung weiter. «Dann klopft er stärker an die Tür, und wieder keine Antwort. Es gibt keine Antwort. Und dann kann man hören, wie er versucht, die Tür einzutreten.» Sicher sei, dass der andere Pilot schließlich allein gewesen sei und die Tür nicht geöffnet habe, habe einer der Ermittler erklärt.

Exakt um 10.53 Uhr gedachten am Donnerstag viele Menschen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in aller Stille der 150 Todesopfer. Behörden, Schulen und Unternehmen beteiligten sich an der Schweigeminute, zu der die Landesregierungen aufgerufen hatten. Mancherorts stand auch der Verkehr still. Genau um 10.53 Uhr war am Dienstag die Funkverbindung zu der Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U9525 abgebrochen. Bundestagspräsident Norbert Lammert hielt am Morgen beim Gedenken des Parlaments eine Ansprache.

Am Unfallort ging die Bergung der Leichen weiter. Neben der Bergrettung sind Soldaten und Feuerwehrleute an dem Einsatz beteiligt. «Die Arbeit ist extrem schwierig, das Gelände ist gefährlich. Es ist steil und rutschig», sagte der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin. Insgesamt waren rund 70 Menschen an der Unglücksstelle. Rund zwölf Ermittler waren unterwegs, um die Spuren zu sichern und die zweite Blackbox zu finden. Etwa sechs weitere suchten nach Leichenteilen.

Hinterbliebene von Todesopfern landeten am Vormittag in Marseille. Die rund 50 Angehörigen waren am Donnerstagmorgen in Düsseldorf gestartet, um in die Nähe des Absturzortes zu gelangen. Mit an Bord reiste auch ein Betreuer-Team, bestehend aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen, wie die Lufthansa mitteilte. Außerdem war ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Aus Barcelona wurde ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

Für die Angehörigen sollte es jedoch keine Möglichkeit geben, an die Absturzstelle zu gelangen: «Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich», sagte der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron, der Deutschen Presse-Agentur. Zusammen mit der Polizei und Helfern vor Ort bereitete er die Ankunft von Angehörigen in Le Vernet vor. Diese Siedlung liegt in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle.

Das Sportzentrum von Seyne-les-Alpes, in dem eine Art Kapelle als Trauerraum für die Angehörigen eingerichtet wurde, war abgeriegelt. Gendarmen kontrollierten den Zugang. Die Familien sollten Ruhe haben für ihre Trauer. Im Rathaus erstellten Mitarbeiter eine Liste von Einheimischen, die Menschen aufnehmen können.

Der A320 mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte. An Bord waren 72 Deutsche. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 50 Opfer.

Germanwings-Kunden können zukünftige Flüge kostenlos unter der Nummer 0180/632 03 20 stornieren.