«Warhol vor Warhol»: Die unbekannte Seite der Pop-Ikone

Andy Warhol ist der Vater der Pop-Art, der König des Knallbunten. Doch er konnte auch anders: zurückhaltender, leiser. Das zeigt jetzt eine ungewöhnliche Warhol-Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München.

«Warhol vor Warhol»: Die unbekannte Seite der Pop-Ikone
Peter Kneffel «Warhol vor Warhol»: Die unbekannte Seite der Pop-Ikone

Rund 180 Zeichnungen des Künstlers (1928-1987) sind dort zu sehen, die aus seiner Anfangszeit in New York stammen. Jahrzehntelang lagen sie unbeachtet in einer Kiste, vor rund zwei Jahren wurden sie im Warhol-Nachlass entdeckt und aus der Versenkung geholt. Vom 14. September an sind sie nun nach einer Ausstellung im Louisiana Museum of Modern Art im dänischen Humlebaek und im Teylers Museum im niederländischen Haarlem zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Von einer «brisanten und hochkarätigen Auswahl an fast unbekannten Zeichnungen» spricht der Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung, Michael Semff. Darum habe er auch seinen eigentlich schon feststehenden Ausstellungskalender noch einmal über den Haufen geworfen, um Platz zu schaffen für diese außergewöhnliche Schau. «Man darf dem Publikum einen so sensationellen und auch kunsthistorisch bedeutsamen Fund nicht vorenthalten.» Ihn habe Warhol als Zeichner, von dem er hauptsächlich Mode-Bilder von Schuhen und Kleidung gekannt habe, bislang nicht begeistert. Aber: «Ich habe ein gewisses Erleuchtungserlebnis gehabt». In seinen Anfangsjahren arbeitete Warhol zunächst als Illustrator für Mode- und Hochglanz-Magazine.

Aktzeichnungen sind in der Ausstellungen zu sehen, Klavier spielende Hände, ein Selbstporträt, Gesichter - vollständig oder unvollständig, in Tusche oder als Bleistiftzeichnungen. Alle stammen aus den 1950er Jahren. Ein Entwurf zu einem Künstlerbuch zeigt unter dem Titel «In the bottom of my garden» eine fast spielerisch anmutende Serie. «Warhol hat sein Leben lang gezeichnet», sagte Semff - mit einer Ausnahme zwischen 1962 und 1973. Aber selbst kurz vor seinem Tod, bevor er ins Krankenhaus gekommen sei, habe Warhol noch den Bleistift zur Hand genommen. Die Pop-Ikone starb nach einer Gallenblasenoperation am 22. Februar 1987 in New York an Herzversagen.

Seine Zeichnungen seien Grundlage für sein gesamtes Werk - von seinen Gemälden bis hin zu seinen Filmen. Insofern zeige die Ausstellung seiner Zeichnungen «Warhol vor Warhol».

Mit der ungewöhnlichen Ausstellung feiert die Pinakothek der Moderne ihre Wiedereröffnung nach rund sechsmonatiger Renovierungszeit. Grund waren Risse in der Rotunde der Eingangshalle - nur zehn Jahre nach der Eröffnung des berühmten Kunstmuseums. Zum Wiedereröffnungs-Wochenende starten alle vier im Museum beheimateten Sammlungen mit neuen Ausstellungen: Die Sammlung Moderne Kunst zeigt die Ausstellung «Traum-Bilder» - unter anderem mit Werken von Salvador Dalí und Pablo Picasso. Das Architekturmuseum der TU München präsentiert unter dem Titel «Afritecture» afrikanische Architektur, und die Design-Sammlung beschäftigt sich mit marokkanischen Teppichen und der Kunst der Moderne.

Schon in der kommenden Woche startet außerdem im benachbarten Museum Brandhorst die Ausstellung «Reading Andy Warhol» über Künstlerbücher des Pop-Art-Stars. Semff spricht von «einem kleinen Warhol-Festival in diesem Herbst» in München.