Warnstreiks bei Karstadt

Mit Warnstreiks und mehrstündigen Betriebsversammlungen haben Tausende von Karstadt-Mitarbeitern am Freitag ihrer Forderung nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie Nachdruck verliehen.

Die Auswirkungen der Proteste hielten sich nach Angaben des Unternehmens aber in Grenzen. Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz sagte am Freitagvormittag: «Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in den Karstadt-Filialen nur geringe Beeinträchtigungen. Keine Filiale ist geschlossen.»

Karstadt-Beschäftigte demonstrierten vor dem Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin, protestierten mit Trillerpfeifen und Rasseln auf dem Rathausmarkt in Hamburg und zogen in einem Protestzug durch die Dortmunder Innenstadt. Auch in vielen anderen Städten kam es nach Angaben der Gewerkschaft Verdi zu Warnstreiks und Kundgebungen. Geschäfte vor allem in Süddeutschland öffneten mit Verspätung, weil die Mitarbeiter an Betriebsversammlungen teilnahmen.

Der Hintergrund der Warnstreiks: Verdi will Karstadt zur Rückkehr in die Tarifbindung zwingen, nachdem das Unternehmen im Mai einseitig eine «Tarifpause» verkündet hatte. Außerdem fordert die Gewerkschaft einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag für die rund 20 000 Beschäftigten. Erste Gespräche zwischen den Tarifparteien waren ergebnislos geblieben. Doch sollen die Verhandlungen am 11. November mit einem mehrtägigen Gesprächsmarathon fortgesetzt werden.

«Das Vertrauen in das Management sinkt immer weiter, weil man keine positive Entwicklung sieht», beschrieb der Verdi-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff im Fernsehsender n-tv die Stimmung im Unternehmen.

Auch das Vertrauen in die Eigentümer sei gesunken, weil Versprechungen gemacht, aber bis heute nicht eingehalten worden seien. Für zusätzliche Unruhe sorgte zuletzt, dass der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen drei Luxus-Warenhäuser und 28 Sporthäuser mehrheitlich an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko verkaufte.

In Berlin nahmen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 400 Beschäftigte des Luxus-Warenhauses KaDeWe und anderer Karstadt-Filialen an den Streiks teil und zogen mit Trillerpfeifen und Plakaten über den Kudamm. In Hamburg demonstrierten einige hundert Karstadt-Beschäftigte lautstark auf dem Rathausmarkt, in Dortmund zogen 250 Streikende durch die Innenstadt. Keinen Warnstreik, aber Betriebsversammlungen gab es im Südwesten Deutschlands.

Die Gewerkschaft hatte zuvor gewarnt, Kunden müssten sich am Freitag und zum Teil auch am Samstag auf «erhebliche Beeinträchtigungen bis hin zur Schließung von Häusern» einstellen. Doch bemühte sich der Konzern, die Häuser offen zu halten. Teilweise hätten Führungskräfte an den Kassen gesessen, andernorts sei der Betrieb mit Leiharbeitern aufrechterhalten worden, berichtete die Gewerkschaft.