Sevilla will historischen Coup - Dnjepr wie im «Märchen»

Mit Respekt vor Außenseiter Dnjepr Dnjepropetrowsk und dem Traum vom historischen Titel-Viererpack startete Europa-League-Spezialist FC Sevilla seine Final-Mission.

Sevilla will historischen Coup - Dnjepr wie im «Märchen»
Armando Babani Sevilla will historischen Coup - Dnjepr wie im «Märchen»

«Wir können nicht abstreiten, dass wir die Möglichkeit haben, Geschichte zu schreiben», sagte Trainer Unai Emery vor dem Endspiel am Mittwoch (20.45 Uhr) in Warschau, in dem Sevilla als erster Club zum vierten Mal im zweitwichtigsten europäischen Club-Wettbewerb triumphieren will. Im Finale gegen Dnjepr, das erstmals in einem Fußball-Europapokal-Finale steht, sind die Spanier klarer Favorit.

Doch auch das Überraschungsteam aus der Ukraine, das Clubs wie den SSC Neapel und Ajax Amsterdam aus dem Wettbewerb warf, rechnet sich selbstbewusst Chancen aus. «Jeder weiß, dass ein Spiel das Märchen in Realität verwandeln kann», sagte Kapitän Ruslan Rotan. «Ich denke, dass die Motivation die größere Rolle spielen wird. Wer die größere Widerstandsfähigkeit zeigen kann, wird gewinnen.» Mit Teamgeist und Geschlossenheit will Dnjepr Sevilla die historische Titel-Party vermiesen und als Krönung in die Champions League einziehen.

Denn der Sieger qualifiziert sich in diesem Jahr für die Gruppenphase der Königsklasse. «In Europas bestem Wettbewerb zu spielen, ist eine großartige Sache. Jeder träumt davon, dort aufzulaufen», urteilte Sevillas Aleix Vidal, dessen Team sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Europa-League-Experten entwickelt hat und auf dem Weg ins Finale unter anderem Borussia Mönchengladbach und Nationalstürmer Mario Gomez mit dem AC Florenz ausschaltete. «Eine Titelverteidigung, mein erster Titel, noch dazu in meinen Land, das wäre unglaublich», sagte Sevillas polnischer Mittelfeldspieler Grzegorz Krychowiak.

Nach den Siegen im UEFA-Pokal 2006 und 2007 könnte Sevilla auch in der Europa League als erster Club seinen Titel verteidigen. Vier Erfolge in diesem Wettbewerb schaffte bislang noch kein Verein. «Es sollte sich nicht wie Druck anfühlen», meinte Emery. «Eher ist es Motivation, wie ein Traum, den wir wahr werden lassen können.»

Der 43-Jährige, der durch seine Erfolge auch bei Clubs wie dem AC Mailand im Gespräch ist, versprach: «Wir wollen jeden Moment genießen und wir werden genießen, was noch bleibt.» Trotz der beeindruckenden Bilanz von 10 Siegen aus 14 Spielen in dieser Saison sieht Emery sein Team nicht als Favorit: «Wir werden bescheiden sein, uns nicht wie Favoriten fühlen, kämpfen und hohe Anforderungen an uns stellen.»

Für Dnjepr, das es bislang erst zweimal ins Viertelfinale des Pokals der europäischen Meistervereine schaffte, ist das Endspiel eins der wichtigsten Spiele seiner Club-Historie. «Niemand hatte uns auf der Rechnung. Es ist eine große Überraschung, dass wir so weit gekommen sind», sagte Stürmer Jewgeni Selesnjow. 9000 Fans begleiteten das Team in Polens Hauptstadt. Kapitän Rotan kündigte selbstbewusst an: «Wir wollen diesen Pokal wirklich in unserem Vereinsmuseum haben.»

Das Team von Miron Markewitsch, das seine Europapokal-Heimspiele in diesem Jahr in Kiew austragen musste, hofft auf die Unterstützung der gesamten Ukraine. «Wir wissen alle genau, wofür wir spielen. Wir haben großartige Fans, Dnjepropetrowsk ist eine Fußball-verrückte Stadt», erklärte Selesnjow. Den Menschen in der krisengeplagten Heimat wollen die Dnjepr-Profis mit dem Titel nationale Glücksgefühle bescheren und sie zumindest für eine Nacht den blutigen Konflikt im Osten des Landes vergessen lassen. Torhüter Denis Boiko prophezeite: «Das wäre für die ganze Ukraine ein unglaublich glücklicher Moment.»