IWF: Griechenland braucht mehr als 50 Mrd. Euro bis 2018  

Griechenland benötigt nach einer vorläufigen Einschätzung aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bis Ende 2018 rund 36 Milliarden Euro an frischem Geld aus der Eurozone.

Insgesamt liege der zusätzliche Finanzbedarf sogar bei rund 52 Milliarden Euro, heißt es in einem ersten IWF-Entwurf über eine Bewertung der Schuldentragfähigkeit des Landes. «Sehr bedeutende Änderungen in der Politik und in dem Ausblick resultieren in einer großen Erhöhung des Finanzbedarfs», so die Autoren.

Ob der Währungsfonds wie bisher einen Teil der Gesamtsumme übernehme, sei eine Entscheidung des Exekutivrats, schreiben die Mitarbeiter der Institution in ihrer Analyse. Athen konnte jüngst eine Kreditrate in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den IWF nicht zurückzahlen und ist dadurch zunächst von weiteren Hilfen der Institution abgeschnitten.

Ausdrücklich heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier, die jüngste dramatische Entwicklung in Griechenland sei dabei noch nicht berücksichtigt. Es wurde am 26. Juni verfasst, also vor der Ankündigung einer Volksabstimmung über die Reformforderungen der Gläubiger am Sonntag. Die EU will mit weiteren Beratungen über mögliche Hilfen das Ergebnis des Referendums abwarten.

Die IWF-Experten erklärten, dass eine Lockerung der bislang erwogenen Reformpakete auch einen Schuldenschnitt notwendig machen würde. Dies gelte etwa, wenn eine Einigung geringere Haushaltsüberschüsse oder schwächere Reformenvorgaben vorsehe. Das Papier mit den Berechnungen der Mitarbeiter ist weder mit den anderen Geldgebern noch mit der IWF-Führung abschließend abgestimmt. Es sei veröffentlicht worden, weil Details vorher ungewollt an die Presse gelangt seien.

Alleine zwischen Oktober 2015 bis Oktober 2016 würden 29 Milliarden Euro benötigt, heißt es. Ein düsteres Bild malen die Autoren von der Schuldenhöhe gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Bisher erwartete der IWF, dass der Wert bis 2020 auf 128 Prozent sinkt. Nun geht er von rund 150 Prozent aus. Das liegt weit über den 117 Prozent, die der Fonds bislang als höchstens tragfähig erachtete.

Die deutliche Erhöhung des Finanzbedarfs seit der letzten Berechnung im Mai 2014 sei notwendig geworden, weil Athen die gemeinsam gesteckten Ziele nicht eingehalten habe. Allein die geringeren Haushaltsüberschüsse hätten den Bedarf um 13 Milliarden Euro zwischen Oktober 2015 und Oktober 2018 erhöht. Niedrigere Einnahmen aus Privatisierungen schlügen mit weiteren 9 Milliarden zu Buche. Durch aufgelaufene Zahlungsrückstände kämen 5 Milliarden Euro hinzu und wegen wieder aufzufüllenden Puffer im Finanzsektor und beim IWF 6,5 Milliarden Euro.