Neuer Rassismus-Vorwurf gegen US-Polizei: Schwarze stirbt in Haft

Nach dem Tod einer Schwarzen in einer Gefängniszelle in Texas und dem Tod eines Schwarzen bei einer Polizeikontrolle in Cincinnati (Ohio) sind erneut Rassismus-Vorwürfe gegen die US-Polizei laut geworden.

Die 28-jährige Sandra Bland war am 10. Juli von einem weißen Polizisten bei einer Verkehrskontrolle im US-Bundesstaat Texas in der Nähe von Houston festgenommen worden. Drei Tage später starb sie in ihrer Zelle im «Waller County Jail». Sie habe sich das Leben genommen, sagt die Polizei.

Aber Staatsanwalt Elton Mathis will die Untersuchung so intensiv führen, «als wäre sie eine Mordermittlung». Dies sei in solchen Fällen normal. In Cincinnati im Bundesstaat Ohio tötete unterdessen ein weißer Polizist einen schwarzen Autofahrer per Kopfschuss, berichtete CNN am Mittwoch.

Ein von der Polizei veröffentlichtes Video aus der Bordkamera des Streifenwagens bei Houston zeigt, wie sich der Streit zwischen der selbstbewussten Fahrerin und dem Polizisten hochschaukelt. Der Polizist hatte sie gestoppt, weil sie beim Wechseln der Fahrspur nicht geblinkt habe.

Der Polizist fordert sie auf, ihre Zigarette auszumachen. Bland verweigert das, weil sie in ihrem eigenen Autos sitze. Bland beschimpft den Polizisten laut Video auch als Weichei. Kurz darauf fordert der Beamte Bland auf, aus dem Auto zu steigen und kündigt ihre Festnahme an. Widerworte und selbstbewusstes Auftreten gegenüber US-Polizisten gelten stets als sehr riskant.

Bland fragt mehrfach nach dem Grund der Festnahme. Der Polizist versucht, sie aus dem Auto zu zerren und droht schließlich mit einem Elektroschocker. Er sagt. «Ich zünde dich an!» (I will light you up). Nachdem sie unter Zwang ausgestiegen ist, verschwinden beide für einige Zeit aus dem Sichtfeld der Kamera. Noch bei der Festnahme fragt die Frau: «Und das alles, weil ich keinen Blinker gesetzt habe? Du kommst dir wohl ganz toll vor».

Der weitere Verlauf der Festnahme, bei der angeblich auch andere Gewalt angewendet wurde, ist nicht im Blick der Kamera. Ein Augenzeuge sagte, der Polizist habe die Schwarze auch noch zu Boden geworfen. Laut US-Medien besteht der Verdacht, dass das Video vor der Veröffentlichung bearbeitet wurde.

Die Polizei geht von einem Suizid aus und beruft sich auf eine medizinische Untersuchung. Die Familie und deren Anwalt Cannon Lambert bezweifelten diese Version jedoch. Bland habe gerade eine neue Stelle an der Prairie View A&M-Universität antreten wollen. Das spreche gegen Suizid-Absichten.

Bei einer Gedenkveranstaltung an der Universität sagte Blands Mutter Geneva Reed-Veal am Dienstag, sie wolle erfahren, was passiert sei. Der Vorfall sei eine Kriegserklärung. «Sobald ich mein Kind beerdigt habe, bin ich bereit», zitierte die Zeitung «Houston Chronicle» Reed-Veal.

Zu der Tötung des Schwarzen in Cincinnati berichtete CNN, der 43-jährige Schwarze sei bereits am Sonntag von einem weißen Polizisten erschossen worden. Bei der Kontrolle sei er mit einem Beamten des Sicherheitsdiensts der University of Cincinnati in Streit geraten. Der 13-fache Familienvater habe einen Wagen ohne vorderes Nummernschild gefahren und sei angetrunken gewesen. Als der Polizist ihn aufforderte, aus dem Auto auszusteigen, kam es dem Bericht zufolge zu einem Handgemenge. Der Polizist griff zur Waffe und schoss dem offenbar Unbewaffneten in den Kopf. Die Polizei in Cincinnati habe Ermittlungen aufgenommen.

Polizeigewalt gegen unbewaffnete Afroamerikaner, die oft tödlich endet, ist seit längerem ein Thema in den USA. Wiederholt kam es deshalb zu schweren Unruhen. Im Netz wurde der Fall Bland viel kommentiert. Viele sahen darin ein neues Beispiel für Rassismus gegen Afro-Amerikaner.