WDH: Beginn des Lokführerstreiks weiter offen

Der Beginn des neuerlichen Lokführerstreiks bleibt für Bahnreisende und Pendler ungewiss. Die Gewerkschaft GDL ließ weiter offen, wann der Ausstand losgehen könnte.

WDH: Beginn des Lokführerstreiks weiter offen
Arno Burgi WDH: Beginn des Lokführerstreiks weiter offen

Die Deutsche Bahn erklärte sich zu einer Schlichtung bereit. Am Mittwoch hatte die GDL beschlossen, dass es grundsätzlich neue Streiks geben soll. Sowohl den Starttermin als auch die geplante Dauer ließ sie aber bis zum Sonntagnachmittag offen. Vor der Entscheidung der GDL-Spitzengremien hatte GDL-Chef Claus Weselsky von rund 100 Stunden Arbeitskampf gesprochen.

Es wäre der mittlerweile siebte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt rügte die Streikankündigung. «Wer plant, 100 Stunden zu streiken, sollte beweisen, dass er 100 Stunden ernsthaft verhandeln kann», sagte der CSU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Ich sehe in der Bevölkerung keinen Rückhalt für Dauer-Streiks.» Eine Lösung werde es ohnehin nur am Verhandlungstisch geben.

Um den drohenden Streik abzuwenden, zeigte sich die Bahn offen für einen Vorschlag des Deutschen Beamtenbundes zu einer Schlichtung oder Moderation des Konflikts. Die Bahn wolle Ergebnisse in dem Tarifstreit und Streiks abwenden, sagte Personalvorstand Ulrich Weber der Deutschen Presse-Agentur. Kunden und Mitarbeiter bräuchten Planungssicherheit. «Hauptsache, wir verhindern tagelange Arbeitskämpfe.» Im November hatte die Bahn vergeblich versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung zu bewegen.

Die GDL wollte den Vorschlag am Wochenende nicht kommentieren. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte auf dpa-Anfrage, es gebe keinen neuen Stand. Es bleibe dabei, dass die Gewerkschaft die Bahnkunden so rechtzeitig informieren werde, dass sie sich nach Möglichkeit nach Alternativen umsehen könnten. Auf eine konkrete Frist wollte er sich nicht festlegen.

Die GDL dringt auf eigenständige Tarifverträge auch für ihre Mitglieder, die nicht Lokführer sind. Außerdem will sie fünf Prozent mehr Geld und eine Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitigem Abbau des massiven Überstundenbergs erreichen.

Nachdem der Beamtenbund (dbb) am Freitag eine Schlichtung ins Spiel gebracht hatte, attackierte er am Samstag den Verhandlungsführer der Bahn, Werner Bayreuther, scharf und schrieb dem Unternehmen in einer Mitteilung die Verantwortung für Eskalation und Streiks zu. «Ich kann die Arbeitgeber der Deutschen Bahn nur nochmals auffordern, endlich konstruktiv und ergebnisorientiert mit der GDL zu verhandeln», sagte demnach der dbb-Bundesvorsitzende Klaus Dauderstädt.

Die Bahn wies die Kritik zurück. «Das ist ein reines Ablenkungsmanöver, es zielt in unsäglicher Weise auf Personen und lenkt von der Sache ab», sagte eine Sprecherin. Die Bahn wolle endlich in der Sache vorankommen und weitere Streiks vermeiden.