Wechsel in der «Spiegel»-Führung

Beim Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» wird nach monatelangen Auseinandersetzungen ein Wechsel vollzogen: Chefredakteur Wolfgang Büchner (48) räumt zum 31. Dezember seinen Posten. Über seine Nachfolge werde in Kürze entschieden, teilte der Spiegel-Verlag in Hamburg mit.

Auch der seit 2008 amtierende Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe (53) legt sein Amt nieder. Er werde bis zu seiner Nachfolgeregelung weiter zur Verfügung stehen, längstens bis Mitte des nächsten Jahres.

Büchner führte seit September vergangenen Jahres die Redaktionen von Print und Online. Zuvor hatte er als Chefredakteur die Deutsche Presse-Agentur redaktionell geleitet. In seinem Twitter-Profil zitierte Büchner am Donnerstag den irischen Schriftsteller Samuel Beckett mit den Worten: «Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better» (Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.)

Das «Spiegel»-Magazin wird nach Angaben des Verlags bis auf weiteres von Büchners Stellvertretern Klaus Brinkbäumer (47) und Clemens Höges (53) geführt. Bei «Spiegel Online» bleiben Barbara Hans (33) und Florian Harms (41) stellvertretende Chefredakteure.

Dem Ausscheiden Büchners war eine Auseinandersetzung um die zukünftige Strategie des Verlagshauses vorausgegangen. Büchner war geholt worden, um die engere Verzahnung von Print und Online voranzutreiben. «Mit Spiegel 3.0 hat er (Büchner) ein Digitalisierungskonzept vorgelegt, das die Weichen stellt für notwendige Veränderungen beim «Spiegel» und bei «Spiegel Online»», teilte Saffe am Donnerstag mit.

Allerdings trafen Büchners Pläne auf den Widerstand von Teilen der Print-Redaktion. Darüber kam es zum Zerwürfnis. Noch im August hatten die Verlagsgesellschafter den Kurs von Büchner unterstützt. Am Spiegel-Verlag sind die schon länger beim gedruckten Blatt beschäftigten Angestellten in der Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), der Hamburger Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) sowie die Erben des «Spiegel»-Gründers Rudolf Augstein beteiligt.

Unter Büchners Führung hat das wöchentliche Magazin in diesem Jahr bereits ein neues Layout bekommen, es wurden Kommentare und ein Leitartikel eingeführt. Die Heft-Auflage lag im dritten Quartal bei 878 260 Exemplaren, davon werden 49 438 elektronisch abgerufen (E-paper).

Büchner ist nicht der einzige Chefredakteur, der nach kurzer Amtszeit in diesem Jahr abgelöst wird. Das Magazin «Stern» trennte sich im August nach nicht einmal eineinhalb Jahren von seinem Chefredakteur Dominik Wichmann, es kam Christian Krug. Im selben Monat wurde auch beim Nachrichtenmagazin «Focus» der Chefredakteur Jörg Quoos durch Nachfolger Ulrich Reitz ersetzt. Die Verlage kämpfen seit Jahren gehen Auflagenverluste ihrer Titel an. Das Internet sowie mobile Endgeräte wie Smartphones und I-Pads haben das Leseverhalten der Nutzer verändert.

Manche Verlage sind auf dem Weg, sich einen Teil ihrer bislang kostenlosen Inhalte im Internet bezahlen zu lassen. Nach den bisherigen Plänen will der Spiegel-Verlag Mitte 2015 mit neuen kostenpflichtigen Zusatzangeboten an den Start gehen. Zuvor soll vom 10. Januar 2015 an das gedruckte Nachrichtenmagazin bereits am Samstag und nicht mehr erst am Montag erscheinen.