Weinzierl beschwört «Erfolgserlebnis» in Alkmaar

Das Bonus-Programm Europa League ist für den FC Augsburg zum zwiespältigen Vergnügen geworden. Die große Lust auf internationalen Fußball wird beim Tabellenletzten der Gruppe L vor dem Spiel in Alkmaar vom Frust der letzten Wochen und der alarmierenden Bundesliga-Krise überlagert.

Weinzierl beschwört «Erfolgserlebnis» in Alkmaar
Stefan Puchner Weinzierl beschwört «Erfolgserlebnis» in Alkmaar

Trainer Markus Weinzierl müsste an diesem Donnerstag im «schönen, kleinen und engen» AZ-Stadion eigentlich alle Kräfte für den Abstiegskampf bündeln. Immerhin steht lediglich 67 Stunden nach dem Abpfiff das schwere Auswärtsspiel in Dortmund an. Ein Abschenken in Alkmaar ist dennoch kein Thema, vielmehr soll in der Provinz Nordholland nach dem dramatischen Sturzflug endlich der überfällige Umkehrschub gezündet werden.

«Wir müssen uns ein Erfolgserlebnis holen - am liebsten am Sonntag in Dortmund, aber auch gerne gegen Alkmaar», sagte Weinzierl. Der FCA-Coach ist nach zwei Erfolgsjahren mal wieder als Krisenmanager gefordert und weiß, was Priorität genießt: «Die Bundesliga ist und bleibt das Wichtigste, das ist uns allen bewusst.» Darum wird das Team auch aus Alkmaar direkt weiter nach Dortmund reisen.

Auf ihrer Europa-Reise haben die Augsburger Debütanten bislang Lehrgeld bezahlt. Gegen Athletic Bilbao und Partizan Belgrad verloren sie jeweils unnötig mit 1:3. Das Kernproblem war das gleiche wie im Bundesliga-Alltag: Die FCA-Profis haben das Toreschießen verlernt.

Nur acht Treffer gelangen in neun Punktspielen. Und in der Europa League führten von 42 Torschüssen nur zwei zum Erfolg. Gegner AZ Alkmaar reichten dagegen 14 Versuche für vier Tore. «Wenn du so viele Torchancen liegenlässt, ist es auch teilweise Unvermögen», urteilte Augsburgs Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski deutlich.

Weinzierl trat den KLM-Flug von München nach Amsterdam am Mittwoch mit einer klaren Ansage an sein Team an: «Jetzt geht es nicht darum, gut zu spielen, sondern erfolgreich zu spielen!» Zählbares muss her. «Ganz wichtig ist, dass die Spieler jetzt eng zusammenstehen und gemeinsam gegen die Situation ankämpfen», mahnte Manager Stefan Reuter. An Unterstützung von den Rängen wird es nicht fehlen: 850 Anhänger begleiten den FCA auf seiner zweiten Europa-Reise.

Die verletzten Abwehrspieler Jeong-Ho Hong und Kostas Stafylidis werden gegen Alkmaar fehlen. Stürmer Raul Bobadilla (muskuläre Probleme) ist angeschlagen. Besonders motiviert ist Ragnar Klavan, der vor seinem Wechsel nach Augsburg von 2009 bis 2012 in Alkmaar spielte. «Es war eine wichtige Phase in meiner Karriere», sagte der Rückkehrer. Im ersten Jahr wurde der Innenverteidiger mit AZ unter Trainer Louis van Gaal sogar niederländischer Meister. «Der Anfang war sehr schön», erinnerte der 29 Jahre alte Este.

Mittlerweile hat auch Klavans Ex-Verein Probleme, steht in der Eredivisie nur auf Platz zehn, aber in der Europa League mit drei Punkten vor dem FCA. Trainer John van den Brom muss den Verlust von sechs Stammspielern kompensieren. Neuzugänge wie Stürmer Vincent Janssen (21) oder Innenverteidiger Jop van der Linden (25) schließen aber langsam die Lücken. «Alkmaar ist in den letzten Wochen immer besser geworden», betonte Weinzierl, der trotzdem mutig ankündigte: «Wir wollen die Herausforderung annehmen, um auch international die ersten Punkte einzufahren und in der Gruppe weiterzukommen.»