Weitere Menschen verlassen entführte Maschine

Ein Flugzeug der ägyptischen Gesellschaft Egyptair ist auf einem Inlandsflug entführt und zur Landung in der zyprischen Hafenstadt Larnaka gezwungen worden. Dem ägyptischen zivilen Luftfahrtministerium zufolge stellte der Entführer bis zum Mittag keine klaren Forderungen.

Weitere Menschen verlassen entführte Maschine
Khaled Elfiqi Weitere Menschen verlassen entführte Maschine

Mindestens vier weitere Menschen haben das nach Zypern entführte ägyptische Passagierflugzeug verlassen. Einer von ihnen floh aus einem Cockpitfenster, wie auf Bildern des zyprischen Fernsehens zu sehen war.

Kurz nach der Landung in Larnaka hatte der Entführer fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder freigelassen. Nach ägyptischen Angaben befanden sich danach nur noch sieben Geiseln in seiner Gewalt - der Flugkapitän, der Co-Pilot, eine Flugbegleiterin, ein Sicherheitsangestellter und drei Passagiere.

Unter den 55 Fluggästen hätten sich auch Ausländer befunden, sagte Minister Scherif Fathi. Das Außenministerium in Rom bestätigte, dass eine italienische Geisel an Bord war. Eine niederländische Geisel wurde freigelassen. Dem 56 Jahre alten Mann gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte das niederländische Außenministerium mit.

Die Verhandlungen mit dem Mann dauerten an. Der Präsident Zyperns, Nikos Anastasiades, schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Der Entführer will Medienberichten zufolge mit seiner Ex-Frau - einer Zyprerin - sprechen.

Der Airbus mit der Flugnummer 181 war auf dem Weg von Alexandria nach Kairo. Die Sicherheit an ägyptischen Flughäfen war im vergangenen Jahr in die Kritik geraten. Ende Oktober detonierte in einem vom Badeort Scharm el Scheich gestarteten russischen Urlaubsflieger eine Bombe. Die Maschine stürzte über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Insassen starben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu der Tat bekannt.

Die Piloten des Egyptair-Flugzeugs sollen dem zyprischen Staatsfernsehen RIK zufolge am frühen Morgen bei den Fluglotsen in Larnaka eine außerplanmäßige Landung wegen einer Entführung beantragt haben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Maschine im zyprischen Flugkontrollraum. Die Maschine sei um 08.46 Uhr Ortszeit (07.46 Uhr MESZ) in Larnaka gelandet. Nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministeriums drohte der Entführer mit einem Sprengstoffgürtel. Es sei aber noch unklar, ob es sich dabei um eine echte Bombe oder um eine Attrappe handele.

«Die Entführung hatte keinen terroristischen Hintergrund», sagte Zyperns Präsident Anstasiades im Fernsehen. Auch das Staatsfernsehen RIK berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Mann habe die Maschine allen Anzeichen nach aus persönlichen Gründen in seine Gewalt gebracht. Er soll von der Polizei gefordert haben, einen Brief an seine Ex-Frau zu übergeben, die in Larnaka lebe. Der Entführer habe einen Brief an seine Ex-Frau aus einem Fenster des Flugzeugs geworfen. Die Sicherheitsbehörden suchten die Frau, um sie zum Flughafen zu bringen.

Nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens handelt es sich bei dem Entführer angeblich um einen Ägypter, Ibrahim S. Ein veröffentlichtes Foto soll ihn an Bord der Maschine zeigen.

Auf TV-Bildern war zu sehen, wie etwa eine Stunde nach der Landung Dutzende Menschen über eine Treppe aus der vorderen Tür des Flugzeuges aussteigen konnten. Die Passagiere hatten zum Teil Handgepäck dabei und wurden mit einem Bus zum Flughafengebäude gebracht. Reporter berichteten auf dem Flughafen von Larnaka übereinstimmend, mindestens 50 Menschen seien ausgestiegen.

Zur Zahl der Menschen an Bord der Maschine gab es unterschiedliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur CNA sprach von 55 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern, das ägyptische Ministerium gab die Zahl der Passagiere mit 81 an. Egyptair sprach von 56 Passagieren, 7 Crewmitgliedern und einem Sicherheitsbeamten.

Zypern habe einen Krisenstab gebildet und stehe in Kontakt zu den ägyptischen Behörden, berichtete das zyprische Staatsfernsehen. Der Flughafen Larnaka wurde nach Angaben des Staatsfernsehens geschlossen. Alle Flüge nach Zypern würden zum Flughafen von Paphos im Westen der Insel umgeleitet, hieß es.