Welt-Energiehunger hängt auf Jahrzehnte an Öl, Kohle und Gas

Erneuerbare Energiequellen werden global laut einer Studie noch jahrzehntelang ein Nischendasein fristen. Die hierzulande stark geförderten regenerativen Energieformen Wind, Sonne, Wasser und Biomasse werden weltweit in den nächsten 20 Jahren kaum an Bedeutung gewinnen.

Welt-Energiehunger hängt auf Jahrzehnte an Öl, Kohle und Gas
Tobias Kleinschmidt Welt-Energiehunger hängt auf Jahrzehnte an Öl, Kohle und Gas

Erdöl, Kohle und Erdgas bleiben das Maß der Dinge. Zudem wird in tiefem Gestein gebundenes Öl und Gas immer bedeutender.

Das sind Ergebnisse der am Donnerstag vorgelegten Energiestudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Die globalen Statistiken der Bundesbehörde stammen aus dem Jahr 2012. Ihnen zufolge wird auch die umstrittene Atomkraft bei der Befriedigung des globalen Energiehungers weiter wachsen. Deutschland bildet mit seiner Abkehr von der Kernenergie eine Ausnahme, doch auch hierzulande geben fossile Energieträger noch lange die Richtung vor.

Deutschland deckt seinen Bedarf für Primärenergie zu einem Drittel mit Öl. Mit einigem Abstand folgen Kohle (24 Prozent) und Erdgas (21 Prozent). Die Erneuerbaren (12 Prozent) haben die Atomkraft (8 Prozent) mit Stand der 2012 überholt.

Anders als in Deutschland sind Wind- und Sonnenkraft weltweit praktisch unsichtbar, nur Biomasse und Wasserkraft spielen schon eine sichtbare Nebenrolle, haben aber auch nur ähnliche Wachstumsprognosen wie die fossilen Energieträger. Die Studie betont, dass nur Erdöl als einziger nicht-erneuerbarer Energierohstoff absehbar zur Neige gehe.

Die in tiefem Gestein gebundenen Vorkommen, sogenanntes Schieferöl und Schiefergas, sorgten zusammen mit Ölsanden als neue Quellen für Aufschub. Das zögere die Endlichkeit des Erdöls aber nur hinaus. Wann das Öl spürbar knapp wird, sei unklar, erklärte BGR-Experte Harald Andruleit. Es gebe in der Forschung derzeit keinen Konsens.

Eines aber sei klar: «Die Zeit des billigen Öls ist vorbei.» Vorhersagen zu Preisen, auch für die des Sprits an der Tankstelle, seien aber schwierig. So habe die Wissenschaft früher angenommen, dass eine Ölgewinnung aus Schieferschichten nicht wirtschaftlich sei. Heute sei diese Vorstellung überholt. «Und ohne die neue Technik wären die Preise schon heute anders», sagte Experte Andruleit.

Die USA haben laut der Studie mit der Schiefergasförderung ihre Erdgasimporte in den letzten Jahren um fast ein Drittel reduziert und könnten in absehbarer Zeit sogar zum Exporteur werden. Auch beim Öl, das die USA mit der neuen Schieferförderung gewinne, sei der Effekt wegen der freiwerdenden Mengen sogar auf dem Öl-Weltmarkt spürbar.

Auch Deutschland könnte zu einem Profiteur werden, denn Europas Becken mit möglichem Schieferöl- und Schiefergasvorkommen erstrecken sich zu einem größeren Teil über Norddeutschland. Die Fördermethode, das sogenannte Fracking, steht hierzulande aber in der Kritik. Bei der Technik wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in große Tiefen presst, um an den Rohstoff zu kommen. Kritiker fürchten etwa ums Trinkwasser. Union und SPD haben sich darauf verständigt, dass diese Art der Förderung in Deutschland vorerst nicht genehmigt werden soll. Es herrscht damit weiter ein Moratorium, kein Verbot.

Die kommerzielle Schiefergasförderung außerhalb der USA könnte laut der Studie «in den nächsten Jahren» in Argentinien, Australien, Russland und China starten. Im europäischen Raum stünden die Ukraine und Großbritannien schon in den Startlöchern.

Auch ein weiterer Wunsch der Verfechter sauberer, nachhaltiger Energie rückt in die Ferne: Trotz der Atomkatastrophe in Japan boomt die Kernenergie weiter ungebrochen. Ende 2012 waren in 14 Ländern 68 Kernkraftwerke im Bau und 110 in der Planung oder Genehmigung.