Welt geschockt von Terrorserie in Paris

Nach der schlimmsten Terrorserie in der Geschichte Frankreichs mit fast 130 Todesopfern ist einem der drei Terrorkommandos zunächst die Flucht gelungen. Ihr Auto mit Waffen, ein schwarzer Seat, wurde von der Polizei östlich von Paris aufgefunden.

Unklar blieb zunächst, ob die mutmaßlichen Islamisten noch auf freiem Fuß sind oder sich unter den sieben Personen befinden, die am Samstagabend in der belgischen Hauptstadt Brüssel festgenommen wurden. Bei der beispiellosen Anschlagsserie waren am Freitag mindestens 129 Menschen getötet worden, gut 350 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten der minutiös geplanten Terrorserie ist mindestens ein Deutscher.

Die Massaker waren nach ersten Ermittlungen eine koordinierte Kommandoaktion der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Über drei der mindestens sieben getöteten Angreifer wurden erste Details bekannt. Einer war ein französischer Kleinkrimineller. Zwei Attentäter sind womöglich als Flüchtlinge getarnt eingereist.

In Deutschland wurden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Frankreich erklärte dem islamischen Terrorismus den Krieg. Die Top-Wirtschaftsmächte (G20) berieten auf ihrem Gipfel in der Türkei ein schärferes Vorgehen gegen den Terrorismus.

Am Freitagabend hatten drei Terrorkommandos an sechs Orten in der französischen Hauptstadt nahezu gleichzeitig zugeschlagen. Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants, in der Konzerthalle «Bataclan» und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stadions in die Luft. Sieben Attentäter kamen ums Leben. Die Angreifer benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen identische Sprengstoffwesten.

Der getötete Deutsche saß in einem der beschossenen Cafés auf der Terrasse, wie der ARD-Korrespondent Mathias Werth unter Berufung auf die deutsche Botschaft in Paris berichtete. Demnach sind auch unter den Verletzten mehrere Deutsche.

Einer der identifizierten «Bataclan»-Attentäter war ein polizeibekannter Islamist mit französischem Pass. Er war den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt. Im «Bataclan hatten die Angreifer während eines Konzerts fast 90 Menschen getötet.

Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Ob es sich um eine Fälschung handelt, war zunächst offen. Es verdichten sich die Hinweise, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter als Flüchtlinge getarnt in die EU eingereist sein könnten.

Die Attentäter beim Stade de France hatten laut Medienberichten ein Blutbad vor laufenden Kameras während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland geplant. Mindestens einer der insgesamt drei Terroristen wollte seine Bombe in dem mit knapp 80 000 Fans besetzten Stadion während des Fußball-Testspiels zünden.

Nach den Anschlägen steht erneut Belgien im Fokus der Ermittler. Zwei der getöteten Attentäter lebten zuletzt im Großraum Brüssel. Es handele sich um Personen mit französischem Pass, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft laut belgischer Nachrichtenagentur Belga mitteilte. Bei einer Razzia im Brüsseler Einwanderer-Stadtteil Molenbeek wurden am Samstagabend sieben Menschen festgenommen. Ob sie in die Anschläge verwickelt sind, wurde noch untersucht.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem «Kriegsakt» des IS und verhängte den Ausnahmezustand. Premierminister Manuel Valls sagte am Samstagabend dem Sender TF1: «Ja, wir sind im Krieg.» Frankreich werde handeln, um diesen Feind zu zerstören.

Im Internet war eine zunächst nicht verifizierbare Erklärung aufgetaucht, in der sich der IS zu den Anschlägen bekennt. Frankreich wird angedroht: «Dieser Überfall ist nur der erste Tropfen Regen und eine Warnung.»

Der Pariser Staatsanwalt François Molins sagte, die Terroristen hätten bei ihren Taten Syrien und Irak erwähnt. Im Irak und in Syrien beherrscht der IS große Gebiete. Frankreich fliegt Angriffe gegen Stellungen der Extremisten.

Rätsel gibt ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.

In Deutschland schickt die Bundespolizei verstärkt Einsatzkräfte an die Grenze zu Frankreich, intensiviert Streifen an Flughäfen und Bahnhöfen. Die Polizisten patrouillieren dort mit Schutzwesten und schweren Waffen. Verbindungen von und nach Frankreich werden besonders in den Blick genommen. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, die Gefährdungslage in Deutschland sei hoch, die Bundesrepublik stehe weiter im Fadenkreuz des Terrorismus.

Staats- und Regierungschefs in aller Welt richteten sich auf einen verstärkten Kampf gegen den Terror ein. Bundespräsident Joachim Gauck sieht in den Attentaten eine neue «Art von Krieg». Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Nachbarland «jedwede Unterstützung» zu. US-Präsident Barack Obama verurteilte die Anschläge als «abscheulichen Versuch», die Welt zu terrorisieren.

Die gesamte Bundesregierung will nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung das Testländerspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag in Hannover gegen die Niederlande besuchen. Die deutsche Elf will das Länderspiel trotz der Terroranschläge von Paris bestreiten, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus DFB-Kreisen erfuhr.