Weltklasse-Neuer verhindert Bayern-Pleite

Das war so recht nach Manuel Neuers Geschmack. Wenn der FC Bayern München schon keine Tore schießt, dann muss der Keeper eben dafür sorgen, dass die Null steht.

Weltklasse-Neuer verhindert Bayern-Pleite
Andreas Gebert Weltklasse-Neuer verhindert Bayern-Pleite

«Da musste ich mal ein bisschen mehr Präsenz zeigen», sagte der Nationaltorwart nach der Nullnummer im Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach. Seine Mitspieler wussten, dass sie sich bei ihrem Torhüter bedanken mussten. «Wir wissen, was wir an Manuel Neuer haben», meinte Philipp Lahm. Vorgänger Oliver Kahn sagte bei «Sky»: «In seinem Alter war ich keineswegs so gut.» Trainer Pep Guardiola kommentierte die Leistung seines Schlussmannes kurz und knapp: «Er ist der Beste!» Und er ist in der Liga seit 658 Minuten ohne Gegentreffer.

Auch die mit dem torlosen Remis hochzufriedenen Gladbacher sahen in dem Bayern-Schlussmann den entscheidenden Spieler im Top-Duell des Spieltages. «Hätten sie ihn nicht im Tor gehabt, hätten sie ein, zwei Tore schlucken müssen», befand Weltmeister Christoph Kramer. Vor allem Gladbachs torgefährlicher Flügelflitzer Andre Hahn konnte kaum fassen, dass Neuer in der 52. Minute seinen platzierten und harten Flachschuss noch abwehren konnte. «Ich habe den Ball perfekt getroffen, den hält nicht jeder. Aber er hat das überragend gemacht», sagte Hahn.

Die für ihre couragierte Vorstellung vor allem im zweiten Abschnitt gefeierten Gastgeber unterstrichen ihre bislang sehr gute Saison und setzten ihre Serie von nun 15 Pflichtspielen ohne Niederlage fort. Der Punktgewinn gegen die Bayern, die zuvor in der Liga nur beim FC Schalke und in Hamburg nicht gewannen, war eine Art Reifeprüfung für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre. Der hatte in der Halbzeitpause mehr Mut von seinem Team gefordert, nachdem die Bayern eine unglaubliche Dominanz von fast 75 Prozent Ballbesitz zeigten, aber bis auf David Alabas Möglichkeit (10.) keine große Torgefahr ausstrahlten.

Schon Guardiola hatte die Gladbacher zuvor als «Champions-League-Mannschaft» geadelt. Hinterher sah er sich bestätigt: «Es ist nicht einfach, in diesem Stadion und in dieser Atmosphäre zu bestehen.» Seine Spieler hatten das nach den 90 Minuten am eigenen Leib gespürt. «Wir sind froh, dass wir schon vier Punkte Vorsprung haben. Ich glaube nicht, dass Mönchengladbach noch viele Plätze verlieren wird», befand Bayern-Kapitän Lahm. «Sie wissen, wo sie herkommen und sie haben einen guten Trainer», meinte Lahm. Auch Nationalspieler Thomas Müller betonte: «Das war ein Auswärtspunkt bei einem direkten Konkurrenten.»

Der Punktgewinn gegen den Rekordmeister hat das ohnehin große Selbstbewusstsein des Tabellenzweiten noch einmal gesteigert. «Nach neun Spieltagen lügt die Tabelle nicht, wir sind die zweitbeste Mannschaft in Deutschland», sagte Kramer. Auch Borussias Sportdirektor Max Eberl bemerkte nicht ohne Stolz, dass sich im Top-Duell zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegnet seien. «Wir hätten uns belohnen können, aber ich bin auch so sehr zufrieden mit der Leistung», sagte Eberl. Als Bayern-Jäger Nummer eins sehen sich die Borussen-Profis aber eher nicht. «Das interessiert uns nicht. Wir schauen nur auf uns», meinte Gladbachs Torhüter Yann Sommer.