Weltmeister Deibler «stolz» über Lagen-Weltrekord

Der erste Tag als Weltrekordler brachte für Lagen-Weltmeister Markus Deibler schon eine ganz eigene Hatz mit sich.

Nach seinem Überraschungssieg bei der Kurzbahn-WM in Doha waren die folgenden Stunden durchgetaktet: kurze Teambesprechung im Mannschaftshotel samt Ovationen der Kollegen, Fahrt zum Flughafen, Nachtflug aus Katar nach Deutschland, umjubelter Empfang am Hamburger Flughafen durch die Olympiastützpunkt-Kollegen. Und auch in seiner Wohnung klingelte wieder das Handy. «Es war noch nicht viel Zeit zum Feiern und zum Genießen», sagte der 24-Jährige am Montag der Deutschen Presse-Agentur telefonisch.

Verstehen oder erklären konnte Markus Deibler seinen so unerwarteten Weltrekord über 100 Meter Lagen gegen die versammelte Weltelite immer noch nicht so recht. «Ich weiß selber nicht, wie ich es gemacht habe, dachte nicht, dass ich so eine Leistung drin habe. Ich habe mich vorher immer gefragt, wie machen das die anderen?», sagte er.

Längere Tauchphasen nach der Schmetterling- und Rückenlage und damit bessere Wenden waren das Ergebnis des Videostudiums nach dem schon guten Halbfinale. Das allein erklärt aber nicht Deiblers Leistungssteigerung um mehr als eine Sekunde auf den Weltrekord von 50,66 Sekunden.

«Das war schon der Wahnsinn. Ich wusste, dass er schnell sein kann, aber das habe ich nicht gedacht», sagte Heimtrainerin Petra Wolfram. Die Trainingswissenschaftlerin hatte nach einer für die Deibler-Brüder doch enttäuschenden EM von Berlin nach dem Sommer mehr auf Schnelligkeit gesetzt. Das veränderte Programm schlug voll an. Für Deibler, dessen Bruder Steffen wegen Krankheit seine gewohnten Kurzbahn-Qualitäten diesmal nicht ausspielen konnte, war es eine Bestätigung, «dass wir gut und richtig trainieren». Zumal die harte Arbeit oft auch Überwindung ist für den Inhaber einer Eisdiele: «Ich bin nicht derjenige, der jeden Morgen schreit: Juhu, ich darf ins Training gehen. Ich mach's letztendlich für den Erfolg.»

Deibler schwamm als erster Deutscher einen Weltrekord nach Verbot der leistungsfördernden Hightech-Anzüge vor fünf Jahren. «Das macht mich schon ein bisschen stolz.» Sein älterer Bruder Steffen war Ende 2009 Weltrekord im Gummianzug über 50 Meter Schmetterling geschwommen.

Markus Deiblers Coup nutzt ihm aber auf der Langbahn wenig. Die 100 Meter Lagen sind keine olympische Disziplin, auf der doppelten Distanz wurde Deibler 2012 Olympia-Achter und verpasste bei der Langbahn-WM im vergangenen Jahr den Endlauf ganz knapp. Die Tendenz könnte in Richtung 100 Meter Freistil gehen, wo er aus einer möglichen deutschen Olympia-Staffel eh nicht wegzudenken wäre.

In Doha durfte Deibler nicht über die olympischen 200 Meter Lagen starten, weil er bei der Qualifikation vor zwei Wochen die erforderliche Vorlauf-Norm verfehlt hatte. Trotz eines deutschen Rekords im Finale blieb Chefbundestrainer Henning Lambertz bei seiner konsequenten Linie und verweigerte Markus Deibler diese WM-Einzelstrecke.

«Es ist nicht so, dass ich im Nachhinein die Entscheidung gut finde, aber ich habe sie akzeptiert», sagte Deibler, der auch die Maximal-Belastungen inzwischen viel besser wegsteckt. Früher kollabierte er regelmäßig nach Wettkämpfen, weil sein Körper ihm keine Grenzen setzte. Nun profitiert der Student vom Grundlagentraining ohne längere Krankheitspausen wie in den Jahren zuvor.