Weltweit Proteste gegen «Charlie Hebdo»

Estmals seit der Terrorattacke ist das Satiremagazin «Charlie Hebdo» auch wieder in Deutschland zu kaufen. Auf dem Titel ist erneut eine Mohammed-Karikatur. In islamischen Ländern kommt es deswegen weiter zu heftigen Protesten.

Weltweit Proteste gegen «Charlie Hebdo»
Aliou Mbaye Weltweit Proteste gegen «Charlie Hebdo»

Vor einem Buch- und Zeitschriftengeschäft im Berliner Hauptbahnhof warteten am Samstagmorgen gegen 5 Uhr etwa 100 Menschen, um bei Ladenöffnung ein Heft zu kaufen.

Doch nur die ersten beiden in der Reihe hatten Glück: in dem Geschäft standen nur zwei Exemplare zum Verkauf. Im gesamten Hauptbahnhof gab es einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur zufolge 14 Hefte. Alle waren auf Französisch und kosteten vier Euro.

Die Stückzahlen in deutschen Großstädten sind sehr begrenzt, weil der Ansturm auf die Hefte in Frankreich gewaltig war. Dort erschien die Ausgabe vergangenen Mittwoch.

Die Redaktion des Magazins war am Mittwoch davor Ziel eines Anschlags. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben, der Großteil davon Mitarbeiter der Zeitschrift. Teils sehr derbe frühere Mohammed-Karikaturen in dem Heft gelten als Hintergrund des Angriffs mutmaßlicher islamistischer Terroristen.

Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden. Das Titelbild der jüngsten Ausgabe zeigt dennoch erneut eine Zeichnung Mohammeds. In mehreren islamischen Ländern hatte dies nach den Freitagsgebeten zu teils heftigen Protesten geführt.

Im afrikanischen Niger zündeten aufgebrachte Muslime ein französisches Kulturzentrum an. Mindestens ein Mensch kam Medienberichten zufolge ums Leben. Auf dem Tempelberg in Jerusalem versammelten sich Hunderte Palästinenser. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan wurde bei der Kundgebung eine französische Flagge verbrannt. In der südpakistanischen Stadt Karachi kam es bei Protesten zu schweren Zusammenstößen. In der algerischen Hauptstadt Algier demonstrierten Tausende gegen «Charlie Hebdo».

In Frankreich nahmen Ermittler im Zusammenhang mit der Terrorwelle der Vorwoche derweil weitere zwölf Menschen fest. Sie sollten wegen möglicher Verbindungen zu den drei Attentätern vernommen werden, hieß es. Es gehe vor allem um die Frage, ob sie logistische Unterstützung für die Anschläge auf «Charlie Hebdo», einen koscheren Supermarkt und eine Polizistin leisteten. Insgesamt wurden 17 Menschen von den Attentätern getötet, die drei wurden von Polizisten erschossen.

US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigten am Freitag angesichts der Pariser Anschläge eine noch engere Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf an.

Die belgischen Behörden gingen weiter davon aus, dass die Attentäter aus Paris keine Verbindungen zu den mutmaßlich in Belgien ausgehobenen Dschihadisten hatten. Dort planten Extremisten nach offiziellen Angaben mit schweren Waffen und Sprengstoff einen größeren Anschlag auf die Polizei. Neben zwei am Donnerstagabend bei einem Anti-Terroreinsatz Getöteten gehörten mindestens 13 Verdächtige zu der gesprengten Terrorzelle, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. In dem Land gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe.