Weltweiter Kursrutsch drückt Dax unter 10 000 Punkte

Die weltweit drastisch eingetrübte Börsenstimmung hat auch den Dax noch tiefer in den Abwärtsstrudel gerissen.

Erstmals seit Januar rutschte der deutsche Leitindex wieder unter die Marke von 10 000 Punkten. Bis zur Mittagszeit fiel er um 2,63 Prozent auf 9857,84 Punkte. Damit erholte sich das Börsenbarometer allerdings etwas von seinen frühen Verlusten, als er bis auf 9760 Punkte gefallen war und damit seine Jahresgewinne vollständig eingebüßt hatte. Noch im April hatte der Dax bei 12 390 Punkten ein Rekordhoch erreicht.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax gab um 3,15 Prozent auf 18 732,88 Punkte nach und der TecDax mit den besonders konjunktursensiblen Technologiewerten sank um 3,74 Prozent auf 1563,81 Punkte. In keinem dieser drei Indizes der Dax-Familie gab es auch nur eine Aktie mit Kursgewinnen. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 2,69 Prozent nach unten.

Grund der jüngsten Kursturbulenzen sind die Ängste vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft und den Auswirkungen auf die globale Konjunktur. Zahlreiche Marktexperten sehen diese Sorgen allerdings als übertrieben an. "Die pessimistische Stimmung scheint überwältigend zu sein, während wir zugleich feststellen, dass eine Reihe wichtiger Variablen dieses negative Bild nicht untermauern", schrieb etwa Aktienstratege Mislav Matejka von der US-Bank JPMorgan.

Die Chartexperten vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar, Franz-Georg Wenner und Andreas Büchler, sind der Ansicht, dass inzwischen die Wahrscheinlichkeit weiterer Verluste drastisch niedriger ist als die Chance auf eine Bodenbildung. "Der Abverkauf im Deutschen Aktienindex verschärft sich immer weiter. Doch auch wenn dies gefühlt einem Weltuntergang gleich kommt, ist es in der Realität doch nur eine Korrektur."

Unter den Einzelwerten im Dax verbuchten die Aktien von Henkel mit einem Minus von knapp einem Prozent die geringsten Verluste. Die Experten der US-Investmentbank strichen ihre Verkaufsempfehlung für die Papiere des Konsumgüterunternehmens. Sie zählen zu den weniger konjunktursensiblen und damit defensiven Werten im Leitindex. Die Papiere des Baustoffe-Herstellers HeidelbergCement, einem typischen zyklischen Wert hingegen, büßten rund vier Prozent ein und zählten damit zu den größten Verlierern.

Die Anteilsscheine RWE waren mit minus viereinhalb Prozent größter Verlierer. Eigentlich galten Versorger einst als defensiv, doch seit der politischen Energiewende haben sie mit enormen Problemen etwa mit Blick auf ihre Atomkraftwerke zu kämpfen. Zudem werden sie zusehends von Analysten gemieden. Nun hatte sich die Commerzbank negativ zur RWE-Aktie geäußert.

Analystin Tanja Markloff senkte ihre Gewinnschätzungen bis 2017 kräftig und auch ihre Dividendenprognosen. Sie begründet dies mit einer zurückhaltenderen Einschätzung des Geschäfts in Großbritannien und möglicherweise höheren Steuerbelastungen. Auch das anhaltend ungünstige Strompreisumfeld belaste.