Weltweites Entsetzen über Luftangriff auf Flüchtlingscamp

Der verheerende Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Nordwesten Syriens mit rund 30 Toten hat international scharfe Kritik und Empörung ausgelöst. Die Bundesregierung verurteilte die Bombardierung scharf.

Weltweites Entsetzen über Luftangriff auf Flüchtlingscamp
Sergei Chirikov Weltweites Entsetzen über Luftangriff auf Flüchtlingscamp

«Wer so handelt, gefährdet alle Grundlagen einer friedliche Lösung des Konflikts», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts. Auch UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zeigte sich entsetzt und sprach von einem möglichen Kriegsverbrechen, sollte das Camp bewusst als Ziel ausgesucht worden sein.

Bei dem Angriff auf das Flüchtlingslager Kammuna waren am Donnerstag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen, darunter Kinder. Rettungshelfer vor Ort meldeten mehr als 30 Tote und 80 Verletzte. Videos, die die Opposition und Aktivisten im Internet verbreiteten, zeigten verkohlte Leichen und niedergebrannte Zelte.

Zunächst gab es keine unabhängigen Erkenntnisse darüber, wer für den Luftangriff verantwortlich ist. Syriens Opposition machte das Regime für die Bombardierung verantwortlich. Syriens Militär wies hingegen jeden Verantwortung für den Luftangriff zurück. Entsprechende Meldungen «tendenziöser Medien» seien nicht richtig, erklärte die Armeeführung nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Vielmehr gebe es Informationen, dass «Terrororganisationen» in letzter Zeit absichtlich zivile Ziele attackiert hätten.

Das Lager liegt in der Provinz Idlib, die bisher im wesentlichen von Syriens Luftwaffe und ihrem engen Verbündeten Russland angegriffen wurde. Die US-geführte internationale Koalition ist normalerweise weiter im Osten gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Einsatz. Syriens Opposition besitzt keine Luftwaffe.

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland und die russische Luftwaffe in Syrien benähmen sich äußerst verantwortungsvoll, um der brüchigen Atmosphäre des Waffenstillstands nicht zu schaden. «Russland hat das mehrfach gezeigt und ruft alle Seiten zu einem vorsichtigen Herangehen auf», sagte Peskow.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gehört das bombardierte Lager zu einer Region unter Kontrolle der Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. «Dies gibt aber niemandem das Recht, Zivilisten anzugreifen, wo auch immer sie sich aufhalten», sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, erklärte, es gebe keine Rechtfertigung für einen solchen Angriff auf Zivilisten. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einer schweren Verletzung humanitären Völkerrechts.

Der Luftangriff erschwert internationale Bemühungen um eine Rückkehr zu einem landweiten Waffenstillstand. Erst in dieser Woche hatten sich die USA und Russland auf eine neue Feuerpause für die schwer umkämpfte nordsyrische Stadt Aleppo geeinigt, nachdem die Gewalt dort in den vergangenen zwei Wochen eskaliert war. Aus Protest gegen den Anstieg der Gewalt hatte Syriens Opposition die ins Stocken geratenen Genfer Friedensgespräche mit Vertretern des Regimes verlassen.