Wer verlässt als Erster die «Hölle des Nordens»?

Die «Hölle des Nordens» wartet auf die Fahrer der 102. Tour de France. Auf der vierten Etappe geht es über das berüchtigte Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs.

Wer verlässt als Erster die «Hölle des Nordens»?
Etienne Laurent Wer verlässt als Erster die «Hölle des Nordens»?

Roubaix-Sieger John Degenkolb hofft auf seinen ersten Tour-Etappensieg, die Tour-Favoriten wollen in erster Linie heil ans Ziel in Cambrai kommen.

STRECKE: Mit 223 Kilometern wartet auf die Fahrer am 7. Juli die längste Etappe in diesem Jahr - und für manch einen Favoriten auch die grausamste. Auf dem Weg von Seraing nach Cambrai sind 13,3 Kilometer auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster zurückzulegen. Der letzte Pavé-Sektor wartet 13 Kilometer vor dem Ziel.

DIE SPEZIALISTEN: John Degenkolb dürfte zu den ganz heißen Favoriten auf den Tagessieg zählen. Schließlich hat der Wahl-Frankfurter im Frühjahr als erster Deutscher seit 1896 den Klassiker Paris-Roubaix gewonnen. «Sicher spricht mein Sieg in Roubaix für mich, aber die Etappe ist nicht mit einem Eintagesklassiker zu vergleichen», sagt Degenkolb, der gern noch mehr Kopfsteinpflaster-Abschnitte bewältigen würde. Sein großer Rivale Fabian Cancellara wird nach seinem Sturz am Montag kaum mehr eine Rolle spielen. Dafür könnte wieder die Stunde von Lars Boom schlagen. Der Niederländer, der vor dem Tour-Start mit einem zu niedrigen Cortisol-Wert aufgefallen war, hatte schon im Vorjahr die Kopfsteinpflaster-Etappe gewonnen. Auch mit dem früheren Cross-Weltmeister Zdenek Stybar oder dem Slowaken Peter Sagan ist zu rechnen.

TOUR-FAVORITEN: Gerade die leichtgewichtigen Anwärter auf den Gesamtsieg dürften einen unangenehmen Nachmittag verleben. «Die erste Woche kann für Quintana schon entscheidend sein», sagte Chris Froome. Der Kletterspezialist aus Kolumbien hatte schon auf der Windkantenetappe nach Zeeland über eine Minute verloren. Auch Alberto Contador liegt die Etappe überhaupt nicht. Im vergangenen Jahr hatte er auf dem Kopfsteinpflaster 2:35 Minuten auf den späteren Toursieger Vincenzo Nibali eingebüßt. Froome war noch vor den Pavé-Abschnitten mit einem Handgelenkbruch ausgestiegen.

KAMPF UM GELB: Froome liegt in der Gesamtwertung eine Sekunde vor Tony Martin. Der Brite wird aber sicher nicht alles riskieren, um die Spitze erfolgreich zu verteidigen. Das könnte die Chance für Martin sein, im vierten Anlauf doch das «Maillot Jaune» zu holen. Es sind aber auch weitere Top-Fahrer wie Tejay van Garderen (0:13), Tony Gallopin (0:26), Greg van Avermaet (0:28) und Peter Sagan (0:31) in Reichweite.

STÜRZE: Es ist zu befürchten, dass es wieder zu einigen Stürzen kommt, zumal es bei der Tour de France im Feld ohnehin nervös zugeht. 2010 hatte Mitfavorit Fränk Schleck auf der Kopfsteinpflaster-Etappe einen dreifachen Schlüsselbeinbruch erlitten. Auch Martin hat schon schmerzhafte Erfahrung mit den Pavés gemacht.