Westen schließt Botschaften wegen Terrorwarnungen

Nach der Aufdeckung angeblicher Terrorpläne bleiben heute in islamischen Ländern Botschaften und Konsulate mehrerer westlicher Staaten geschlossen. Allein die USA schließen 21 Vertretungen. Auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich wollen ihre Vertretungen im Jemen vorübergehend nicht öffnen.

Westen schließt Botschaften wegen Terrorwarnungen
Jim Hollander Westen schließt Botschaften wegen Terrorwarnungen

Am Samstag trafen sich Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama in Washington, um die Lage zu erörtern. Nach Angaben des Weißen Hauses nahmen an dem Gespräch unter anderem Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice, Außenminister John Kerry, Verteidigungsminister Chuck Hagel, Heimatschutzministerin Janet Napolitano und führende Geheimdienstleute teil. Obama war nicht anwesend. Inhaltlich wurde nichts mitgeteilt.

Die USA haben angeblich geheime Kommunikationen zwischen hochrangigen Al-Kaida-Mitgliedern abgefangen, in denen es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen ging. Das sei der Grund für die weltweite Reisewarnung vom Freitag und die geplante vorübergehende Schließung von US-Vertretungen, berichtete die «New York Times» am Samstag.

Der Zeitung zufolge, die sich auf US-Regierungsbeamte berief, diskutierten die Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und Nordafrika. Es sei sehr ungewöhnlich, dass Kommunikationen zwischen höherrangigen Al-Kaida-Angehörigen über die Planung von Operationen abgefangen würden - sei es durch die Überwachung von E-Mails oder das Abhören von Handy-Gesprächen. Aus diesem Grund hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es geht. Auch Kongressmitglieder seien informiert worden.

«Das war eine Menge mehr als die üblichen Gespräche», zitierte die «New York Times» einen hochrangigen Washingtoner Regierungsbeamten. Einzelheiten habe er nicht preisgeben wollen.

Geschlossen bleiben am Sonntag 21 Botschaften und Konsulate der USA in muslimischen Ländern von Mauretanien in Afrika bis ins asiatische Bangladesch. Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Zudem nähere sich das Datum des 11. September, an dem 2001 bei den Terrorangriffen in New York und Washington rund 3000 Menschen starben. Vor einem Jahr wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi vier US-Diplomaten getötet.

Das Auswärtige Amt in Berlin veränderte seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen für die deutschen Botschaften würden permanent der aktuellen Sicherheitslage angepasst, sagte ein Sprecher. «Wir stehen dazu in engem Kontakt zu unseren Verbündeten.»

Der französische Staatschef François Hollande sagte am Samstag, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Hollande rief gleichzeitig die französischen Staatsbürger im Jemen zur Vorsicht auf.

Unterdessen gab auch die internationale Polizeibehörde Interpol eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Sie forderte ihre 190 Mitgliedsländer nach mehreren von Al Kaida unterstützten Gefängnisausbrüchen etwa im Irak, in Libyen und Pakistan zu erhöhter Wachsamkeit und koordinierten Ermittlungen auf.

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der «New York Times» zufolge deuteten einige Analysten und Kongressmitarbeiter am Freitag an, dass die Betonung einer Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt ein guter Weg sei, vom Wirbel um die NSA-Programme abzulenken. Noch besser sei es, wenn zugleich deutlich gemacht werden könne, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten.