Widerstand aus den eigenen Reihen wächst gegen Trump

Mit einem offenen Brief warnen 50 republikanische Außen- und Sicherheitsexperten eindringlich vor den Konsequenzen eines Wahlsieges von Donald Trump. Sie kritisieren den republikanischen Präsidentschaftskandidaten darin heftig und sprechen ihm die Eignung zum US-Präsidenten ab.

Widerstand aus den eigenen Reihen wächst gegen Trump
Elaine Cromie Widerstand aus den eigenen Reihen wächst gegen Trump

Trump fehle es an Charakter, Werten, Erfahrung und Selbstbeherrschung, heißt es in dem Schreiben. Der Immobilienmilliardär warf seinen Kritikern im Gegenzug vor, die Welt gefährlicher gemacht zu haben.

Die Unterzeichner sind hochrangige Experten in ihren Bereichen. Viele von ihnen arbeiteten in der Regierung des Präsidenten George W. Bush. Unterschrieben haben den Brief etwa die ehemaligen Minister für Heimatschutz Michael Chertoff und Tom Ridge, der frühere CIA-Direktor Michael Hayden und der ehemalige Vize-Außenminister John Negroponte. Alle erklärten, dass sie bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen werden. Sie sprachen aber auch nicht der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton ihre Unterstützung aus.

Sie seien überzeugt, dass Trump der rücksichtsloseste Präsident in der Geschichte der USA werden würde, heißt es weiter. Ihm fehle es offensichtlich an Grundwissen über Verfassung, Gesetze und Institutionen der USA - etwa religiöse Toleranz, Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz. Im Gegensatz zu früheren Präsidenten mit wenig Erfahrung in der Außenpolitik zeige er kein Interesse, sich zu bilden.

«Er stellt immer wieder eine besorgniserregende Ignoranz grundlegender Fakten der gegenwärtigen internationalen Politik zur Schau,» heißt es weiter. Er sei nicht in der Lage oder nicht bereit, die Wahrheit von Lügen zu unterscheiden. «Es fehlt ihm an Selbstkontrolle, er handelt unüberlegt. Kritik an seiner Person verträgt er nicht. Wegen seines unberechenbaren Verhaltens sind unsere engsten Verbündeten besorgt.»

Trump wies die Kritik in einer Mitteilung scharf zurück. Die Unterzeichner gehörten einer «gescheiterte Washingtoner Elite» an. Sie hätten mit «desaströsen Entscheidungen» den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ermöglicht. Es sei an der Zeit, dass sie für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen würden.

Der 70-Jährige bekommt derzeit sehr viel Gegenwind. Auch amtierende Mitglieder seiner Partei verweigern ihm die Unterstützung. So sagte die Senatorin von Maine, Susan Collins, am Montag, dass sie bei der Wahl am 8. November nicht für Trump stimmen werde. Der Abgeordnete Scott Rigell aus Virginia erklärte gar, er wolle aus der republikanischen Partei austreten. Er kündigte an, statt Trump den Kandidaten der Libertarians, Gary Johnson, zu wählen.

Aus Protest gegen den Milliardär will der ehemalige CIA-Mitarbeiter Evan McMullin zudem als unabhängiger Kandidat antreten. Er gilt allerdings als chancenlos. Allerdings könnte er Trump in Utah empfindlich schaden. Er stammt aus dem Bundesstaat und ist wie viele Einwohner Mormone. Mit dieser Wählergruppe hat Trump es schwer.

Der Immobilienmilliardär hatte am Montag versucht, eine Rede zu seinen Wirtschaftsplänen zu nutzen, um nach den tumultartigen Tagen und abstürzenden Umfragewerten mehr Ruhe in seinen Wahlkampf zu bringen. So ruderte er etwa bei den vorgeschlagenen Steuersätzen auf die Linie seiner Partei zurück. Zunächst hatte Trump einen Höchststeuersatz von 25 Prozent vorgeschlagen. Die Republikaner im Kongress halten dies für nicht finanzierbar. Jetzt will Trump wie die Fraktion im Abgeordnetenhaus 33 Prozent.

Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von NBC News zufolge führt die Demokratin Clinton landesweit derzeit mit zehn Prozentpunkten vor Trump.