Wie sieht das Programm der FIFA-Kandidaten aus?

Keine weltweit agierende Institution hat in den vergangenen Monaten so viel Kritik einstecken müssen wie die FIFA.

Wie sieht das Programm der FIFA-Kandidaten aus?
Ennio Leanza Wie sieht das Programm der FIFA-Kandidaten aus?

Vier Kandidaten für den Präsidentenposten des Fußball-Weltverbandes beantworten vor der Wahl in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur drei Fragen zu ihrem Programm und dem Weg aus der Krise. Einzig Tokyo Sexwale aus Südafrika äußerte sich nicht.

Prinz Ali bin al-Hussein:

- Transparenzmaßnahmen einführen, Veröffentlichung von genauen Sitzungsprotokollen und Offenlegung von Finanzen wie Topgehältern

- Rechenschaftspflichten erhöhen und eine Integritätseinheit schaffen, die Interessenskonflikte beseitigt

- Verwaltung verbessern, Aufsichtskommission einführen

Gianni Infantino:

- strukturelle und kulturelle Reformen sowie verantwortungsbewusste Führung

- Demokratie und Mitbestimmung: mehr Beteiligung der Mitgliedsverbände an der Entwicklung von Richtlinien

- Fußball-Entwicklung: innovative Programme an der Basis in Partnerschaft mit Schulen, Bau von Fußballplätzen, verbesserte Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa:

- Trennung des Geldes von der Führung des Fußballs, Ausgliederung der Geldgewinnung an eine unabhängige Einheit

- Einführung eines stringenten und soliden Systems der Rechenschaft auf allen Ebenen

- Beurteilung der bestehenden Strukturen und Vereinfachung des internen und externen Informationsflusses, Schaffung einer soliden und schlanken Management-Struktur

Jérôme Champagne:

- Wiederherstellung der Fähigkeit der FIFA, den globalisierten Fußball zu steuern

- Korrektur der wachsenden Ungleichheit im Fußball zwischen Kontinenten, Ländern und Clubs im gleichen Wettbewerb

- Wiederherstellung des Vertrauens der Fans und Fußball-Liebhaber

Prinz Ali bin al-Hussein:

«Ich kann Vertrauen und Glaubwürdigkeit mit einer Führung wiederherstellen, die einen Abschied von der Vergangenheit darstellt, die die Organisation durchdringt und einen Kulturwandel vorantreibt. Aber letztendlich sind die Veränderungen der Strukturen und Führung, die ich einführen werde, die treibende Kraft, um die Reputation der FIFA zu reparieren.»

Gianni Infantino:

«Ich habe die letzten 15 Jahre bei der UEFA verbracht, sieben davon als Generalsekretär, und habe während dieser Zeit den Fußball bei allem, was ich getan habe, an erste Stelle gestellt. Ich habe immer für das Spiel gekämpft. (...) Das reflektiert den Ansatz, den ich zur FIFA bringen würde, um eine voll funktionsfähige, partizipative Demokratie mit allen Mitgliedsverbänden, die an Entscheidungsprozessen der FIFA beteiligt sind, zu schaffen.»

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa:

«Zuerst mit der Etablierung von Strukturen, die Korruption unmöglich machen, indem der Geldfluss nach innen und außen von der Geschäftsführung getrennt wird. Wenn es keine Möglichkeiten mehr gibt, die Organisation auf korrupte Art zu führen, wird Vertrauen und Glaubwürdigkeit schrittweise zurückkehren.»

Jérôme Champagne:

«Ich war der Erste, der 2012 in einem Dokument mit dem Namen «Welche FIFA für das 21. Jahrhundert?» die dysfunktionale Natur des FIFA-Exekutivkomitees (Exko) beschrieben hat. Damals habe ich die Notwendigkeit aufgezeigt, die Steuerungsfunktion des Spiels selbst von den kommerziellen Aktivitäten zu trennen. Während meiner ersten Kampagne 2014 habe ich Regeln für mehr Ethik und Transparenz mit Bezug auf Werbe- und TV-Partner und die Veröffentlichung von Gehältern des FIFA-Präsidenten und der Exko-Mitglieder vorgeschlagen. Wenn ich gewählt werde, werde ich diese voll umsetzen.»

Prinz Ali bin al-Hussein:

Der Jordanier plädiert für eine Erhöhung der Teilnehmerzahl von derzeit 32 Teams, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Zudem sollte die Praxis, dass einige Konföderationen in der Qualifikation in Playoffs gegen Länder aus anderen Dachverbänden spielen, geändert werden. «Die Zahl der Länder, die auf einem höheren Niveau spielen, ist gewachsen, und das muss sich in der Anzahl der Teilnehmer beim großartigsten Wettbewerb der Welt widerspiegeln», sagt er.

Gianni Infantino:

Der UEFA-Generalsekretär hat die klarste Position bei diesem Thema: Er will die WM von 32 auf 40 Teilnehmer ausweiten. Die Europäische Fußball-Union habe erfolgreich die Zahl der Nationen bei einer EM um acht auf 24 erhöht. «Natürlich muss dies mit allen involvierten Stakeholdern diskutiert werden, aber ich bin mehr als bereit dazu, diese Diskussion konstruktiv mit jedem, der sich um Fußball kümmert, zu führen», sagt der Schweizer. Die FIFA solle die Möglichkeit prüfen, dass die WM nicht mehr in einem oder zwei Ländern, sondern in einer ganzen Region ausgetragen werde.

Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa:

Der Präsident der asiatischen Konföderation AFC lässt seine Position in dieser Frage offen, lehnt eine Ausweitung aber keinesfalls ab. Sollten Änderungen am bestehenden System mit 32 Teilnehmern notwendig sein, müsste das mit Clubs, Ligen, Verbänden und dem Kongress abgestimmt werden. «Ein neuer Ansatz muss die bestehenden Parameter (zum Beispiel den internationalen Kalender) und finanzielle Möglichkeiten (jede Erweiterung wird signifikante neue Förderung benötigen) respektieren», erklärt der Bahrainer.

Jérôme Champagne:

Der Franzose spricht sich als einziger Kandidat gegen eine Ausweitung der WM aus. «Es ist bereits sehr kostspielig, kompliziert und politisch sensibel, eine WM mit 32 Teilnehmern zu organisieren», begründet der frühere FIFA-Vize-Generalsekretär diese Haltung, die bei kleineren Nationen unpopulär ist.