Wieder Anschlag in Jerusalem - Netanjahu beschuldigt Abbas

Wieder Terroralarm in Jerusalem: Ein Palästinenser ist am Mittwoch mit einem Kleinbus in zwei Passantengruppen gefahren und hat mindestens einen Polizisten getötet. 13 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Der 38-jährige Attentäter sei außerdem mit einer Eisenstange auf seine Opfer losgegangen und dann erschossen worden, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Die radikal-islamische Hamas bekannte sich zu der Tat. Angesichts der zunehmenden Gewalt stieg in Israel die Angst vor einer neuen Intifada, einem Aufstand der Palästinenser. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gab der Palästinenserführung eine Mitschuld.

Der Terroranschlag sei das Ergebnis der «Aufhetzung» durch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas «und seiner Partner bei der Hamas», sagte Netanjahu. «Wir führen einen Kampf um Jerusalem, und ich habe keine Zweifel, dass wir siegen werden», sagte Netanjahu weiter. Israels Präsident Reuven Rivlin sagte, Israel werde nicht aufhören, in Jerusalem zu bauen. Die USA und andere enge Verbündete Israels halten jedoch die Siedlungspolitik für eines der größten Hindernisse für einen Friedensschluss.

Der Attentäter stammte aus dem Stadtteil Schuafat in Ostjerusalem. Dort brachen nach dem Anschlag neue Unruhen aus. Die Hamas bezeichnete den Fahrer als Helden, der darauf bestanden habe, «Angriffe auf die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg und die Märtyrer des palästinensischen Volkes zu rächen». «Wir rufen zu weiteren Taten dieser Art auf», zitierte «Haaretz» einen Hamas-Sprecher.

Israels Polizeichef Johanan Danino kündigte eine weitere Verstärkung der Polizeipräsenz in Jerusalem an. Die Stadt erlebt seit Wochen vermehrt Ausschreitungen und Gewalt. Vor zwei Wochen war ein Palästinenser mit seinem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle gefahren. Dabei waren zwei Menschen getötet und mehrere verletzt worden, der Fahrer wurde erschossen.

Vergangene Woche wurde der radikale jüdische Tempelberg-Aktivist Jehuda Glick von einem Palästinenser niedergeschossen. Danach hatte Israel den für Muslime heiligen Tempelberg zeitweise ganz gesperrt. Aus Protest zog Jordanien am Mittwoch seinen Botschafter aus Israel ab.

Bei der letzten Intifada in den Jahren von 2000 bis 2005 waren bei Anschlägen mehr als 1500 Israelis getötet worden, auf Seiten der Palästinenser gab es fast 3600 Todesopfer.