Winkelzüge von Blatter und Platini - Suche nach Kandidat

Mit einer juristischen Schlammschlacht kämpfen Joseph Blatter und Michel Platini verzweifelt um das sportpolitische Überleben.

Trotz der Winkelzüge und schnellen Einsprüche ihrer Anwälte ist die Zeitenwende im Weltfußball nach den Sperren für den FIFA-Präsidenten und den UEFA-Chef aber kaum noch aufzuhalten. Mit Hochdruck ermitteln die FIFA-Ethikuntersucher gegen die beiden gefallenen Top-Funktionäre mit dem Ziel eines raschen endgültigen Urteils - ihnen droht sogar ein lebenslanger Bann. Zudem werden die Rufe nach tiefgreifenden Reformen im Weltverband immer lauter.

So haben im Hintergrund die Planungen für die Zeit nach den einstigen Intimfreunden begonnen. Bis zum Dringlichkeitstreffen der UEFA- Exekutive am Donnerstag «soll Michel Platini Dinge ins Feld führen, die ihn entlasten», forderte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Zunächst sprach die Regierung der Europäischen Fußball-Union dem suspendierten Franzosen zwar das Vertrauen aus. Dennoch muss für die FIFA-Präsidentschaftswahl nun schleunigst ein neuer Kandidat gefunden werden, ein Antreten Platinis beim Kongress am 26. Februar scheint trotz der fristgerechten Einreichung der Bewerbung unmöglich geworden. «Wird jetzt eine deutsche Achse geboren? Unter den Kandidaten sticht Niersbach hervor», orakelte die «Corriere dello Sport». Noch ziert sich der Chef des Deutschen Fußball-Bunds aber und verweist auf seine nationale Aufgaben.

Kommende Woche wird Interimspräsident Issa Hayatou in der Züricher FIFA-Zentrale, zu der Blatter seit seinem Abgang am Donnerstagabend keinen Zutritt mehr hat, erwartet. Dann steht eine Entscheidung über die Anträge für eine außerordentliche Sitzung der FIFA-Exekutive an. «Die FIFA-Strukturen sind so morsch, dass sie missbraucht werden können», analysierte die «Neue Zürcher Zeitung». «Mit den jüngsten Sperren ist das System kollabiert.» Deshalb forderte die Europäische Club-Vereinigung ECA unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge «echte Reformen und Transparenz» sowie Mitspracherecht der Vereine.

Noch klammert sich Blatter aber wie besessen an seine längst zerstörte Macht. Nach Beratung mit seinen Anwälten geht der 79-Jährige gegen den Bann durch die FIFA-Ethikkommission vor und ließ zudem die Arbeitsweise des Gremiums diskreditieren. Ein Einspruch gegen das Urteil sei am Donnerstag eingereicht worden, teilte Blatters Anwalt Richard Cullen der Deutschen Presse-Agentur mit. Über diesen muss nun die FIFA-Berufungskommission unter dem Vorsitzenden Larry Mussenden von den Bermudas befinden.

Die Rechtsvertreter von Blatter hatten unter anderem beklagt, dass dieser von der Ethikkommission nicht ausreichend angehört worden sei. «Herr Blatter wurde am 1. Oktober von Robert Torres von der FIFA-Ethikkommission einvernommen», konterte Andreas Bantel, Sprecher der Ethik-Untersuchungskammer, auf Anfrage. «Herr Blatter hatte das Recht, zu sämtlichen offenen Fragen in der notwendigen Ausführlichkeit Stellung zu beziehen.» Dies sei auch bei Platini der Fall gewesen.

In dem schriftlichen Einspruch Blatters werde zudem beklagt, dass Blatter erst von dem Bann erfahren habe, nachdem die FIFA ihn veröffentlichte, berichtete die «New York Times». «Die Publikation darf erst erfolgen nach persönlicher Mitteilung an die Personen, das ist auch in diesem Falle geschehen», erklärte Bantel dazu.

Auch Platini wetterte jedoch gegen die Ethikkommission und äußerte dabei selbst Verschwörungstheorien: «Ich weigere mich, zu glauben, dass dies eine hastige politische Entscheidung ist, die getroffen wurde, um einen lebenslangen Anhänger dieses Spiels zu beflecken oder meine Kandidatur als FIFA-Präsident zu zerstören.»

Der Bann gegen Blatter und Platini kann noch um maximal 45 Tage ausgedehnt werden, während dieser Zeit sind beide Top-Funktionäre von allen Fußball-Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen. Die Sanktionen gegen Blatter und Platini sind die Resultate der Ermittlungen der Ethik-Untersuchungskammer, detaillierte Gründe darf das Gremium nicht veröffentlichen.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte vor zwei Wochen ein Strafverfahren gegen Blatter unter anderem wegen des Verdachts der «ungetreuen Geschäftsbesorgung» eingeleitet. Im Kern geht es um eine Millionen-Zahlung an Platini und TV-Geschäfte mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner, der WM-Rechte für die Karibik für 600 000 Dollar und damit deutlich unter dem Marktwert erhalten haben soll.