«Wir meistern das»: Löw startet Operation Double

les Bains (dpa) - Bienvenue à Évian - die Double-Operation des Fußball-Weltmeisters im EM-Land ist angelaufen. Und Joachim Löw schürte am Tag der Anreise ins Quartier auf der französischen Seite des Genfer Sees die Hoffnungen Millionen deutscher Fans auf den nächsten Jubelsommer.

«Wir meistern das»: Löw startet Operation Double
Boris Roessler «Wir meistern das»: Löw startet Operation Double

Der bisherige Verlauf der Vorbereitung stimmt den Bundestrainer zuversichtlich, dass zwei Jahre nach dem vierten WM-Titel auch der angestrebte vierte EM-Triumph glücken könnte.

«Die Spieler arbeiten wahnsinnig konzentriert. Sie lenken den Fokus auf die Trainingsarbeit und die Sitzungen. Ich spüre Aufmerksamkeit. Das zeigt mir, dass die Mannschaft das große Ziel wieder vor Augen hat», sagte Löw zum Start in die finale Phase des EM-Countdowns. Das ehrgeizige Motto prangt auch auf dem Bus, der das deutsche Team über Frankreichs Straßen kutschiert: «Wir meistern das!» Weltmeister 2014, Europameister 2016 - damit wäre das seltene Titel-Double perfekt.

Auf dem Frankfurter Flughafen stellte sich Kapitän Bastian Schweinsteiger mit 21 Teamkollegen vor dem Start der Chartermaschine für ein Abschiedsfoto auf die Gangway. Kurz darauf hob der Airbus mit dem DFB-Tross Richtung Chambéry ab. Der Platz von Lukas Podolski blieb frei. Der 31-Jährige erhielt von Löw nach der Geburt seiner Tochter Maja noch einen Tag frei, um sein Vaterglück bei der Familie auskosten zu können. Podolski soll aber schon an diesem Mittwoch nach Évian-les-Bains nachreisen.

Bei der Rückkehr nach Deutschland soll neben Turnierveteran Podolski dann auch der EM-Pokal mit in der «Fanhansa» sein. Auch Löw sehnt sich danach, die schönen Gefühle eines Finalsieges am 10. Juli im Stade de France aufs Neue zu erleben. «2014 habe ich den großen Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sehr genossen. Ich habe jetzt gemerkt: man strebt immer wieder danach», sagte Löw vor seinem fünften Turnier als Chefcoach der Deutschen Presse-Agentur.

Die 8000-Seelen-Gemeinde Évian-les-Bains hatte sich zur Ankunft besonders herausgeputzt für La Mannschaft. Die Sonne schien über dem Lac Léman. In ein Blumenbeet an der Seepromenade war ein überdimensionaler Fußballschuh in schwarz-rot-goldenen Farben eingebettet. Große Nähe zu ihren prominenten Gästen werden die Einheimischen allerdings abgesehen vom öffentlichen Training kurz nach der Ankunft kaum erleben, was auch mit den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen begründet werden kann.

Das Vier-Sterne-Hotel Ermitage und der Trainingsplatz sind nicht frei zugänglich. «Diese Pflicht haben wir einfach», erklärte Teammanager Oliver Bierhoff zum verstärkten Schutz nicht nur der DFB-Auswahl nach den Terroranschlägen beim Länderspiel gegen EM-Gastgeber Frankreich im vergangenen November in Paris. Löw vertraut den Sicherheitskräften. «Ich fahre ohne Angst nach Frankreich und nach Paris», versicherte der 56-Jährige: «Ich möchte das Thema Sicherheit auch nicht mehr ständig bei der Mannschaft thematisieren.»

Das exklusiv vom DFB gebuchte Teamhotel soll für Spieler, Trainer und Betreuer eine «kleine Oase» sein, wie Bierhoff betonte. Löw schätzt in den stressigen Turnierwochen Ruhe und Abgeschiedenheit. «Dort kann man auch loslassen in der Anspannung eines Turniers», sagte der Schwarzwälder zum Quartier, dessen Vorzüge er aufzählte: «Nähe zum Platz, kleineres Hotel, ein zentraler Treffpunkt in der Mitte der Anlage, vermehrte Kommunikationsmöglichkeiten, Ruhe zur Regeneration.»

Man werde in Évian «fokussiert und konzentriert arbeiten können», glaubt Bierhoff. Das «einzige Manko» aus Sicht des Organisationschefs sei die rund eine Stunde lange Fahrt bis zum Flughafen. «Das kann gerade in der Nacht nach einem Spiel ein bisschen nervig sein», gestand Bierhoff. Die erste Reise steht am kommenden Samstag an, wenn es zum ersten Gruppenspiel nach Lille gegen die Ukraine geht.

Auf das Auftaktspiel am Sonntag (21.00 Uhr) ist beim sportlichen Countdown alles ausgerichtet. «Der Fokus wird ganz auf die Ukraine gerichtet», kündigte Löw an. «An einigen Stellschrauben wird noch gedreht. Es findet der Feinschliff statt, taktisch, personell. Es wird bis zum Anpfiff nochmal eine konzentrierte Woche werden.»

Die letzten personellen Fragezeichen halten die Spannung hoch, es geht um die Besetzung der weitgehend geklärten EM-Startelf. Schweinsteiger wird nach seinem Kurz-Comeback beim 2:0 gegen Ungarn das Team gegen die Ukraine noch nicht anführen können. Allerdings ist Löw mit dem Ist-Zustand seines Kapitäns zufrieden: «Ich habe gesehen, dass er wahnsinnig hart gearbeitet hat.»

Schweinsteiger sei körperlich in einem sehr guten Zustand, «er ist bislang sehr belastbar». Richten müssen es im so wichtigen Auftaktspiel zunächst andere Weltmeister wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Toni Kroos, Sami Khedira, Thomas Müller, Mesut Özil sowie Mario Götze. «Die Ukraine ist ein schwerer Auftaktgegner, den wir nicht unterschätzen werden», mahnte Bundestrainer Löw: «Es ist eine gefährliche Mannschaft.»