Wirbel um Greser-&-Lenz-Schau

Nach den Attentaten von Paris hat die Stadt Hanau eine Karikaturen-Schau zunächst aus Sicherheitsgründen abgeblasen, nun soll die Ausstellung aber doch stattfinden.

Wirbel um Greser-&-Lenz-Schau
Boris Roessler Wirbel um Greser-&-Lenz-Schau

«In diesen Tagen und Wochen können wir auf eine solche Ausstellung nicht verzichten», sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Dienstag. Die Werkschau des Aschaffenburger Duos Achim Greser und Heribert Lenz, das unter anderem für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) zeichnet, soll ab 14. März gezeigt werden.

Die Wanderausstellung war bereits in Friedrichshafen zu sehen. Sie beinhaltet rund 200 Werke, nur der kleinste Teil hat religiöse Themen zum Inhalt - eine Mohammed-Karikatur ist nicht dabei.

Die Ausstellung wird deutlich mehr kosten als ursprünglich geplant. Grund sind die höheren Sicherheitsanforderungen nach den Anschlägen auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo». Eine Absage komme aber nicht infrage, sagte Kaminsky: «Bei der Ausstellung geht es im Kern darum, dass wir uns nicht einschüchtern lassen.»

Die «FAZ» hatte am Dienstag berichtet, Hanau habe die Ausstellung abgesagt; sie sei für die klamme Kommune nicht finanzierbar. Der dadurch ausgelöste Wirbel habe in der Stadt «eine neue Nachdenklichkeit» bewirkt, begründete Kaminsky das Hin und Her. «Alles andere hätte missverstanden werden müssen.»

Ob die Schau wie geplant im städtischen Schloss Philippsruhe stattfinden könne, sei unklar; ebenso wie die Frage, welche Sicherheitsvorkehrungen nötig seien und welche Mehrkosten auf die Kommune zukämen. «Aber ich bin sicher, dass wir das hinkriegen.» Man habe bereits Kontakt mit der Polizei aufgenommen und hoffe auf finanzielle Unterstützer bei Bürgern und Wirtschaft.

Zu einem am Nachmittag veröffentlichten Angebot des hessischen Kunstministers Boris Rhein (CDU), die Ausstellung notfalls in landeseigenen Gebäuden stattfinden zu lassen, gab es von der Stadt am Abend zunächst keine Stellungnahme. Die Offerte liege der Kommune nicht vor, sagte eine Sprecherin. «Da wir das Angebot noch nicht kennen, können wir es nicht kommentieren.» Rhein hatte gesagt, als er von der Absage der Ausstellung gehört habe, habe er den Künstlern sofort angeboten, einzuspringen und die Ausstellung in einer Liegenschaft des Landes zu zeigen. Sein Ministerium sei dafür zuständig, «dass die Flagge der künstlerischen Freiheit nicht eingeholt, sondern auch in Hessen dauerhaft gehisst bleibt».

Die beiden Karikaturisten haben Verständnis für das Hickhack. «Es will sich ja keiner dem Vorwurf aussetzen, jetzt in dieser Lage als demokratischer Hosenscheißer dazustehen», sagte Greser im dpa-Interview. «Wir haben auch nicht das Zeug zum Märtyrer - auch deshalb nicht, weil wir christlich erzogen sind und uns in unserem Paradies keine Jungfrauen versprochen werden. Bestenfalls die alten Weiber, die jetzt noch in die Kirche gehen.»

Die Ausstellung zeige querbeet, «was wir so machen: politische, kulturelle, sportliche, wirtschaftliche Themen. Religiöse Themen kommen auch vor, aber es ist ausdrücklich keine "Jetzt erst recht"-Ausstellung nach Paris.» Islamkritische Karikaturen seien auch dabei: «Man müsste ja als kritischer Beobachter der Themen der Zeit auf den Kopf gefallen sein, wenn man die auslassen würde.»

Ein Gutes habe der Wirbel, sagte OB Kaminsky bei der spontan anberaumten Pressekonferenz, bei der eigentlich das Programm der Hanauer Museen vorgestellt werden sollte: Es ist viel Werbung.