Wirbel um Sony-Hackerangriff: FBI macht Nordkorea verantwortlich

Die USA haben Nordkorea erstmals direkt für den Hackerangriff auf Sony Pictures verantwortlich gemacht. Es gebe genügend Informationen, die diesen Rückschluss erlaubten, teilte die US-Bundespolizei FBI in Washington mit.

Präsident Barack Obama kritisierte unterdessen die Entscheidung des Filmstudios Sony Pictures, die Nordkorea-Satire «The Interview» nach dem Hackerangriff und Terror-Drohungen zurückzuziehen. Das Filmstudio habe damit einen «Fehler begangen», sagte Obama bei seiner Jahresend-Pressekonferenz. «Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendein Diktator irgendwo anfängt, in den USA Zensur auszuüben.»

Obama bestätigte ebenfalls, dass nach US-Informationen Nordkorea hinter dem Hacker-Angriff stehe. «Wir werden darauf entsprechend antworten, wann und wie wir es wollen.» Einzelheiten wolle er aber nicht öffentlich machen, sagte Obama. Nach US-Informationen sei kein anderes Land an dem Angriff beteiligt gewesen.

Bei der technische Analyse der verwendeten Angriffssoftware bei der Hacker-Attacke stellten sich laut FBI Verbindungen zu anderen Schadprogrammen heraus, die kürzlich in Nordkorea entwickelt worden seien. Bei der Cyberattacke wurden im November flächendeckend die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen und zahlreiche Daten gestohlen.

Die Bundespolizei habe auch eine deutliche Überschneidung der bei dieser Attacke verwendeten Infrastruktur und anderer «bösartigen Cyber-Aktivitäten» Nordkoreas entdeckt. Es gebe auch Ähnlichkeiten mit einem von Nordkorea im März vergangenen Jahres ausgeführten Cyberangriff gegen südkoreanische Banken und Medien.

«Wir sind zutiefst besorgt über die destruktive Natur dieser Attacke auf eine Einrichtung im privaten Sektor», erklärte das FBI. Die mit dem Angriff verbundene Erpressung mache diesen Schritt Nordkoreas besonders unakzeptabel.

Sony Pictures hatte am Donnerstag unter dem Druck der Hacker den Kinostart der Nordkorea-Satire abgesagt. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten (Seth Rogen und James Franco) den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten.

Experten befürchten, dass der Hackerangriff erst der Anfang sein könnte. «Cyberspionage findet in einem Maße statt, das wir zuvor noch nicht gesehen haben», sagte Denise Zheng, Direktorin am Center für strategische und internationale Studien dem US-Sender CNN.

Allein im vergangenen Jahr habe es einem Report der Obama-Regierung zufolge 61 000 Attacken und Sicherheitsverletzungen gegen Einrichtungen der US-Regierung gegeben.

Superstar George Clooney (53) hält den Film zwar nicht für brillant, beklagt aber eine mangelnde Solidarität in Hollywood: Eine von ihm verfasste Petition habe niemand unterschreiben wollen, sagte er dem Branchenportal «Deadline.com». Die Unterzeichner hätten zugestimmt, dass man sich nicht den Forderungen der Hacker unterwerfen und zusammenhalten werde. Nach den Veröffentlichungen von vertraulichem E-Mail-Verkehr durch die Medien habe jeder die Sorge, er könne der nächste am Pranger sein, sagte Clooney.

Dass der Film nun nicht in den Kinos laufen werde, sieht Clooney als ein Problem: «Das betrifft nicht nur Filme, das betrifft alle Angelegenheiten. Wir sind in der Verantwortung, dagegen aufzustehen.»

Offenbar setzen so manche Verantwortliche in Hollywood nach den Terrordrohungen nun bereits selbst die Schere im Kopf an. Der kanadische Comic-Zeichner Guy Delisle berichtete in seinem Blog, dass die geplante Verfilmung seiner Comic-Erzählung «Pjöngjang» überraschend abgesagt worden sei. Er selbst habe davon im Internet erfahren. Die Hauptrolle sollte Steve Carell übernehmen.

Bestseller-Autor Paulo Coelho erklärte sich bereit, «The Interview» gratis in seinem Blog zu veröffentlichen. In einer Twitter-Botschaft bot er Sony Pictures 100 000 Dollar (rund 81 000 Euro) für die Rechte an. «Sie bekommen 0,01 Prozent des Budgets zurück, und ich kann "Nein" zu Terror-Drohungen sagen», schrieb der 67-Jährige. Er bezweifle jedoch, dass Sony sein Angebot annehmen werde, räumte der Brasilianer ein.

«The Interview» sollte am 25. Dezember in den USA starten. In Deutschland war der Start des Films mit Produktionskosten von rund 44 Millionen US-Dollar (etwa 35 Millionen Euro) für Februar geplant. Sony hat sich auch gegen jede andere Form der Veröffentlichung des Films entschieden, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin «Variety» eine Sony-Sprecherin.