Wirtschaft boomt trotz Unsicherheiten

Trotz der Unsicherheiten um die Niedrigzinspolitik der Notenbanken sieht sich die deutsche Wirtschaft zum Jahreswechsel vor einem starken Aufschwung.

Im Zeichen immer neuer Höchststände des Börsen-Leitindex' Dax zeigen sich nicht nur die wichtigsten Branchenverbände optimistisch, auch die Mittelständler rechnen mit glänzenden Geschäften. Vor den Gefahren und Risiken im Euro-Währungsverbund warnten Bundesbankpräsident Jens Weidmann sowie der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower.

Laut einer am Freitag in Berlin veröffentlichten Mitgliederumfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) schätzen mehr als 90 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe ihre momentane Geschäftslage als befriedigend oder besser ein. Fast 38 Prozent erwarten noch höhere Umsätze im ersten Halbjahr 2014. Jedes dritte Unternehmen will zudem die Investitionen hochfahren oder zusätzliche Mitarbeiter einstellen, berichtete der Mittelstandspräsident Mario Ohoven. Der Mittelstand fungiere auch 2014 als Jobmotor Deutschlands.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet für 2014 einen Exportumsatz von 1,45 Billionen Euro. Dieser Rekord würde ein Plus von mehr als vier Prozent im Vergleich zu 2013 bedeuten. «Das sichert Jobs in Deutschland. Denn jeder Dritte arbeitet mittlerweile für den Export», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der «Bild-Zeitung» (Freitag).

Schon zuvor hatten wichtige Industriebranchen von Auto über Chemie bis zum Maschinenbau angesichts der wiederanziehenden Weltkonjunktur und bester Konsumlaune in Deutschland über positive Aussichten berichtet. So wollen die deutschen Autohersteller ihre weltweite Produktion um 3,5 Prozent auf 14,7 Millionen Autos steigern. Die Maschinenbauer sehen nach einem mittelmäßigen Jahr das Rezessionsende in Europa gekommen, und auch die Elektroindustrie rechnet mit zwei Prozent realem Wachstum.

Große Risiken für die internationale Konjunktur sieht hingegen der Ökonom Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Die Niedrigzinspolitik führe dazu, dass Kapitalströme fehlgeleitet werden und Risiken steigen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zudem bestehe die weiterhin die Möglichkeit einer weiteren Finanzkrise, weil die Anreize bei den systemrelevanten Finanzinstitutionen nicht geändert worden seien. Diese könnten weiter in guten Zeiten Gewinne einstreichen und sich in schlechten darauf verlassen, dass der Steuerzahler sie rettet.

Snower kritisierte Europas Finanzpolitik als intransparent und zu wenig nachhaltig. Letztlich bestehe die Gefahr, dass Einzelstaaten sich nicht an den Fiskalpakt hielten. Problematisch sei auch das Fehlen einer Strukturpolitik, die Wachstum gewährleistet. «So gibt es keinen Mechanismus, der automatisch zum Beispiel Bildung fördert, um ein hohes Wachstum zu erreichen.» Dafür könnten EU- Strukturfonds und die Europäische Investitionsbank genutzt werden.

Eine langfristige Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) könne nötige Reformen verschleppen, marode Banken künstlich am Leben erhalten und neue Spekulationsblasen fördern, sagte Bundesbank-Chef Weidmann der «Bild-Zeitung» (Samstag). Er schränkte aber aktuell ein: «Der Euro-Raum erholt sich nur allmählich von der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit, die Preisgefahren sind gering. Das rechtfertigt niedrige Leitzinsen.» Der geringe Preisdruck dürfe aber auch kein Freibrief für beliebige geldpolitische Lockerungen sein.