Wirtschaft erholt sich langsamer als erwartet

Die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone dürfte etwas langsamer in Schwung kommen als erhofft. Zwei der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute schraubten ihre Wachstumsprognosen für 2014 herunter.

Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nur mit einem kleinen Konjunkturplus im kommenden Jahr. Zusätzlich zum schwachen Wachstum erwartet die Notenbank eine längere Phase geringer Teuerung. Ökonomen der Deutschen Bank schließen daher nicht aus, dass die EZB 2014 die Geldschleusen weiter öffnen und Anleihen kaufen könnte.

Für Deutschland senkten das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ihre Schätzungen des Wirtschaftswachstums. Während das RWI seine Prognose um 0,4 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent zurücknahm, korrigierte das IWH seine Vorhersage um 0,2 Prozentpunkte nach unten und geht nun für 2014 von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus. Beide Institute hatten zuletzt im September ihre Schätzungen vorgelegt.

Hauptgrund für die Anpassung seien die voraussichtlich schwächeren Exporte und damit auch geringere Investitionen im neuen Jahr, hieß es beim RWI. Die Nachfrage im Inland werde dagegen bei steigenden Reallöhnen und Beschäftigungswachstum robust bleiben.

Die IWH-Forscher verwiesen auf ein erwartetes schwächeres Winterhalbjahr 2013/2014. Für das Jahr 2015 rechnet das IWH mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent. Das RWI wollte für 2015 noch keine Prognose vorlegen. Im laufenden Jahr werde das BIP um 0,4 Prozent zunehmen, teilten beide Institute übereinstimmend mit. Gegen Jahresende hat das Wachstum den RWI-Schätzungen zufolge wieder an Kraft verloren.

Im Euroraum wird die Wirtschaft in diesem Jahr nach Einschätzung der EZB schrumpfen und im kommenden Jahr um 1,1 Prozent zulegen. Für 2015 erwarten die Währungshüter dann eine Beschleunigung auf 1,5 Prozent. Bislang erholt sich die Wirtschaft in der Eurozone nur zaghaft.

An dem schwachen Preisauftrieb wird sich nach Einschätzung der EZB so schnell nichts ändern, nicht zuletzt wegen der schwachen Wirtschaftslage und hoher Arbeitslosigkeit. Die Währungshüter hatten wegen der geringen Teuerung den Leitzins jüngst auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. 2014 rechnet die EZB mit einer Inflationsrate von 1,1 Prozent im Euroraum. Die Notenbank strebt einen Wert von knapp unter 2 Prozent an, bei dem sie die Preisstabilität gewahrt sieht.

Angesichts des schwachen Wachstums und der niedrigen Inflation erwarten Ökonomen der Deutschen Bank, dass die EZB Anleihen aufkaufen könnte. Auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise hatte die Notenbank Staatsanleihen erworben. Weitere Zinssenkungen seien dagegen kaum möglich.

Deutschland ist aus Sicht der Ökonomen derzeit eine «Insel der Seligen». Sorgen bereiten den Experten allerdings Teile der Koalitionsvereinbarungen: Ein Mindestlohn, die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren sowie Rentenverbesserungen für Mütter dürften Arbeit hierzulande verteuern.